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08.10.2021

Scherben des Lebens

erzählen. weinen. lachen. nach-denken …

Das Leben kehrt zurück in unsere Städte. Die Zeit der Einschränkungen aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr scheint überwunden, oder doch nicht? Wir können das Leben feiern. Aber die Pandemie hinterlässt Wunden.

Das wollen die Initiatorinnen der „Scherben des Lebens“ nicht totschweigen. Seit Anfang September laden sie ein, über Verletzungen, Überforderung, geplatzte Träume zu sprechen, Zerbrochenes kann beklagt werden, gemeinsam will man aber auch sehen, wie aus Scherben Neues entstehen kann.

In der Evangelischen Stadtkirche St. Petri liegen dafür symbolisch bunte Scherben. Sie stehen für Zerbrochenes, Verwundbares und können gleichzeitig zu wunderschönen Bildern wie in einem Mosaik zusammengefügt werden. Zudem können Besucherinnen und Besucher noch bis Ende Oktober ihre Gedanken und Erfahrungen auf einer der Scherben festhalten. Und immer entstehen an den Scherben im Kirchraum Gespräche, Austausch über Erlebtes, Ängste und Trauer in der Pandemie, aber auch Mutmachendes, erlebte Solidarität und Gemeinsamkeit.

Unterschiedliche Veranstaltungen luden und laden im Rahmen der Themenwochen in die Stadtkirche ein. So gab es Konzerte, in abendlichen Veranstaltungen unter dem Titel „Ich tanze mein Scherben Glück“ kann man sich unter Anleitung einer Tanz- und Bewegungstherapeutin tänzerisch und im körperlichen Ausdruck der Verarbeitung des Erlebten nähern. Und der Frage „Was Corona mit uns macht“ widmeten sich Stadtpfarrerin Christel Schürmann und Pfarrerin Birgit Steinhauer aus dem Zentrum „gezeiten“ in mehreren Gesprächsrunden.

Dazu hatten sie Expert*innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Zusammenhängen eingeladen. Sozialpädagogin Gerda Schulte-Gräve etwa berichtete aus der Arbeit mit Eltern von Kindergartenkindern und ihren Anstrengungen, im Lockdown trotz erheblicher Belastung die Belange der Familie und auch eigene Ansprüche im Blick zu behalten.

Mit Lehrerin Barbara Ullmann und Schulseelsorgerin Sigrun König vom Dortmunder Mallinckrodt-Gymnasium war sie sich einig, dass gerade die Kinder die schwere Zeit der Einschränkungen am diszipliniertesten durchlebt haben. Ullmann berichtete von den Anforderungen an Schulleitungen, umfangreiche Vorgaben seitens des Ministeriums binnen kürzester Zeit umzusetzen.

Positiv erlebten Sigrun König und Barbara Ullmann das beharrliche Bemühen von jugendlichen Schulabgänger*innen, trotz strenger Vorgaben einen Gottesdienst zum Abitur zu feiern. Und auch Notfallseelsorger Hendrik Münz berichtete von guten Erfahrungen von Solidarität, Flexibilität und Engagement, etwa bei besonderen Herausforderungen im Krankenhaus.

Zu den Themenwochen zu „Scherben des Lebens“ gehören auch besondere Gottesdienste. Um das „Segnen“ wird es am Reformationstag, dem Sonntag, 31. Oktober um 11.30 Uhr in St. Petri gehen. Die Predigt bei diesem Gottesdienst, bei dem auch miteinander Abendmahl gefeiert wird, hält die stellvertretende Superintendentin im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund, Leonie Grüning.

Foto: Stephan Schütze
Nachdenken an den Scherben – und eigene Erlebnisse mitteilen. St. Petri lädt zum Austausch über Scherben des Lebens ein.
Foto: Stephan Schütze