Gemeinde bewegen – Kirchenwahl 2024

​​​​​​​In drei Dortmunder Gemeinden wird am 18. Februar gewählt

Save the date: Am Sonntag, 18. Februar 2024, findet in den Kirchengemeinden in der Evangelischen Kirche von Westfalen die turnusmäßige Wahl der Presbyter*innen statt. Die gewählten Personen bilden dann für vier Jahre das sogenannte Presbyterium, das Leitungsgremium einer Kirchengemeinde.

Auch in Dortmund wird in der Lydia-Gemeinde, in der Kirchengemeinde St. Reinoldi und in der Kirchengemeinde Schüren gewählt. In anderen Gemeinden haben sich gerade so viele Wahlkandidat*innen aufstellen lassen, wie es freie Stellen im Presbyterium gibt. Hier gelten diese Kandidat*innen dann laut Kirchenwahlgesetz als gewählt. Einige Gemeinden können sogar weniger Personen zur Wahl stellen, als es laut Kirchenrecht möglich wäre.

Wer sich auch nach den Kirchenwahlen in einem Presbyterium engagieren und das Schicksal der Gemeinde mitgestalten möchte, kann sich in der Gemeinde melden. Häufig sind Nachbenennungen von Presbyter*innen auch in der laufenden Wahlperiode möglich.

Viel Amt, zu wenig Ehre?

Ohne Presbyterinnen und Presbyter würde in Kirche vieles nicht funktionieren

Von Nicole Schneidmüller-Gaiser

Was für eine Familiengeschichte: „Mein Großvater war schon Presbyter. Mein Vater war Baukirchmeister. Und als der aus Altersgründen aufhören musste, hat man eben mich gefragt …“ Ralf Beyer kennt, das kann man wohl so sagen, jeden Stein in der Marienkirche im Herzen der Stadt Dortmund. Das ist nicht die Voraussetzung, um in die Kirchengemeindeleitung einzusteigen – aber eine gewisse Verbundenheit zur Gemeinde gehört schon dazu. Von allen denkbaren Ehrenämtern im kirchlichen Umfeld ist das Presbyterium eines der verantwortungsvollsten. Presbyterinnen und Presbyter leiten die Gemeinde, nicht etwa die Theolog*innen. Sie haben Personalverantwortung, planen das Budget, verwalten den Besitz der Gemeinde, kümmern sich um deren Erhalt – und stehen doch eher selten im Rampenlicht. Dabei würde ohne sie, das kann man ohne Pathos so sagen, die Evangelische Kirche als Institution nicht funktionieren.

„Wenn ich Lektorendienst habe, kommt manchmal jemand und bedankt sich, weil ich so ‚schön‛ vorgelesen habe“, verrät Thorsten Ziebach, und fügt lachend hinzu: „Als Finanzkirchmeister passiert mir das eher selten.“ Der studierte Statistiker stammt aus Recklinghausen, kam während des Studiums nach Dortmund und fand als aktives Chormitglied den Weg in die Evangelische St. Mariengemeinde. Bei den Kirchenwahlen 2020 wurde er ins Presbyterium von Marien gewählt.

Mit beruflicher Sachkenntnis, einer Leidenschaft für Zahlen – aber auch einem gewissen Respekt – übernahm er dann die Finanzaufgaben der Gemeinde von seiner Vorgängerin Renate Fischer. „Die Finanzen in der Kirche kann man sich ja nicht mal eben so aneignen, da muss man ein bis zwei Jahre rechnen“, erklärt der Akademische Oberrat. 70-seitige Auszüge lesen lernen, ein Grundwissen im Kirchenrecht aneignen – „und die Umstellung auf NKF, das Neue kirchliche Finanzmanagement, macht es nicht unbedingt leichter.“ Im Tandem mit seiner Vorgängerin konnte sich Ziebach gründlich einarbeiten; nach dem Wechsel blieb Renate Fischer im Presbyterium und übernahm andere Aufgaben.

Insgesamt besteht das Presbyterium der mit 800 Mitgliedern sehr kleinen Gemeinde aus sieben Personen inklusive Pfarrerin Birgit Worms-Nigmann; da die Theologin nur einen Stellenumfang von 25 Prozent hat, liegt es auf der Hand, dass ein Großteil der Arbeiten von Ehrenamtlichen erledigt werden muss.

Beim Gang durch die wunderschöne, im Jahr 1267 erstmals erwähnte Marienkirche hört man Ralf Beyer, bevor man ihn sieht. Seinen beeindruckenden Schlüsselbund trägt er immer bei sich, schließt jede einzelne Tür auf und wieder zu, auf und wieder zu, damit sich kein Unberechtigter im ehrwürdigen Kirchenschiff oder in den Nebenräumen einschließen lässt. Auf die beiden kunsthistorisch bedeutenden Altäre, die Marienfiguren und andere Besonderheiten, wie etwa das Adlerpult, ist der „Marianer“ erkennbar stolz; die Verantwortung, die er für „seine“ Kirche empfindet, ist spürbar. Ein Glück, dass sich Mutter Beyer nicht durchsetzen konnte, die ihm das Amt damals ausreden wollte: „Lasst den Jungen in Ruhe, der hat schon genug Ehrenämter.“

2014 übernahm Ralf Beyer „den ganzen Baukram“ vom Vater, der aus Altersgründen aus dem Presbyterium ausscheiden musste. Seit 2015 ist er gewähltes Mitglied des Leitungsgremiums – und sein Wort hat Gewicht, seiner Fachkompetenz vertraut sich das Presbyterium dankbar an. Einmal im Jahr schreitet der Diplom-Ingenieur von Raum zu Raum, inspiziert Turm, Dach, Elektrik, eben alles, was zu einer Kirche dazugehört, und macht eine Bestandsaufnahme.

Er macht nicht viele Worte um sein Kerngeschäft, und so passt es, dass hier Kollege Ziebach einsteigt: „Am Anfang hab ich ganz schön gestaunt, welchen Umfang das Thema Bauen in unserer Gemeinde einnimmt.“ Beyer listet in einem Bauplan alles auf, was an Arbeiten ansteht, vergibt dann grüne, orange und rote Punkte – und erstellt so eine Priorisierung für die Instandhaltungsmaßnahmen.

    Eine große Herausforderung kam allerdings eher ungeplant: „Irgendwann rief mich der Küster und zeigte mir große Brocken Sandstein, die sich vom Turm gelöst hatten.“ Wasser war in das alte Gemäuer eingedrungen und hatte das Mauerwerk nach und nach zersetzt. Ein Bauzaun war schnell aufgestellt und mit Erklärungen versehen, so dass die Dortmunder bei ihrem Bummel über den Hellweg erkennen konnten, was da passiert. Ein kluger Schachzug: „Insgesamt hat die Turmrenovierung fast eine Million Euro gekostet – und das haben wir zu einem großen Teil durch Eigenleistung gestemmt“, sind die Presbyteriumsmitglieder unendlich dankbar für die große Unterstützung durch Gemeindeglieder und andere, denen die Stadtkirche wichtig ist. „Manchmal lagen Umschläge mit Geld im Briefkasten, ohne Absender – für die Renovierung des Turms.“

    Diese Verbundenheit kommt nicht von ungefähr: Mehr als 1000 Veranstaltungen im Jahr sorgen dafür, dass die Marienkirche nicht nur „im Herzen der Stadt“, sondern auch in den Herzen der Dortmunderinnen und Dortmunder bleibt. In Marien wird geheiratet, getauft und gesungen, es gibt Ausstellungen und Glaubenskurse, besondere Gottesdienste, etwa in französischer Sprache. „Eigentlich sind wir hier ein innerstädtisches Begegnungszentrum mit christlichem Fundament und Hintergrund“ sinniert Thorsten Ziebach. Dank des finanziellen Polsters, das St. Marien noch immer hat, und regelmäßiger Einnahmen kann sich die Gemeinde auch noch ein hauptamtliches Küster-Ehepaar und vier weitere Mitarbeitende leisten, die dafür sorgen, dass dieses Begegnungszentrum zeitgemäß ausgestattet und einladend bleibt.

    Zurück zum Amt der Presbyter, die im Hintergrund das Steuer und die Fäden in den Händen halten und nach Kräften dafür sorgen, das „Schiff, das sich Gemeinde nennt“, auch durch unruhige Gewässer zu führen. Eine gewisse Weitsicht hilft dabei, wie man in Marien sehen kann, aber eben auch Fachwissen in den eigenen Reihen. So gab Baukirchmeister Beyer schon vor zwei Jahren seinen Kolleg*innen den dringenden Rat, durch den Einbau dreifachverglaster Fenster dafür zu sorgen, dass der Lärm draußen und die Wärme im Winter drin bleibt: „Mit war klar, dass die Energiepreise explodieren würden.“

    Doch obwohl man in diesem Ehrenamt so viel gestalten kann, ist es für jede Kirchengemeinde eine große Herausforderung, immer wieder kompetenten Nachwuchs für die Presbyterien zu finden. „Die Arbeit unterscheidet sich ja deutlich von anderen Ehrenämtern“, überlegt Thorsten Ziebach. „In die Suppenküche geht man, schenkt eine Stunde lang Suppe aus – und bekommt direkt ein dankbares Lächeln geschenkt.“ Als Presbyter, da sind die beiden Männer sich einig, „wird einem ganz schön was abverlangt.“

    Ein wenig mehr Anerkennung durch die Gesellschaft wünscht sich Thorsten Ziebach manchmal. Nicht in Form von Blumen und Lorbeeren. „Aber es wäre schon toll, wenn man Beruf und Ehrenamt besser kombinieren könnte.“ So bleiben bestimmte Berufsgruppen, in denen die Menschen ihre Zeit nicht so frei einteilen können, außen vor, wenn es um die Besetzung der Presbyterien geht. Und so gibt es in vielen Gemeinden einen deutlichen Überhang von Selbstständigen oder Rentner*innen. Dass es auch anders geht, weiß Ralf Beyer aus anderen Ehrenämtern: „Für die Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr, in der Nothilfe insgesamt und in der Politik ist das gesellschaftlich geregelt. Da wird man für ehrenamtliches Engagement freigestellt.“ Und Thorsten Ziebach ergänzt: „Das wäre eine tolle Würdigung des Ehrenamtes.“

    Weitsicht und Fachwissen sind ausgesprochen hilfreich, wenn man, wie Ralf Beyer, Baukirchmeister ist: Er hat schon vor mehreren Jahren dreifach verglaste Fenster einbauen lassen – ihm war klar, dass die Energiepreise explodieren würden.
    Foto: Oliver Schaper
    Für Finanzkirchmeister Dr. Thorsten Ziebach ist die Stadtkirche eine Art innerstädtisches Begegnungszentrum mit christlichem Fundament und Hintergrund. Mit seiner Arbeit sorgt er dafür, dass dieses Zentrum zeitgemäß ausgestattet ist und einladend bleibt.
    Foto: Oliver Schaper

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    „Wenn ich was zu sagen hätte …“

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    Termine:
    3-4x im Jahr für ca. 2 Stunden in Präsenz mit gelegentlichen Besuchen einer Arbeitsstätte des Bildungswerkes

    Themen im Jahr 2023:
    Begleiten der drei großen Arbeitsbereiche des Ev. Bildungswerkes Dortmund: Erwachsenenbildung, Familienbildung und Kindertagespflege, Verbesserung der Kooperation zwischen Bildungswerk, Gemeinden und kreiskirchlichen Institutionen, Ausbildung von Kindertagespflegepersonen als Kinderpflegerin/Erzieherin,

    ... und 2024? Das könntest du schon mitbestimmen! Was liegt an?

    Ansprechpartnerin

    Termine:
    4x im Jahr Sitzung für ca. 2 Stunden,
    2x im Jahr Diakonieforum mit dem Besuch eines diakonischen Arbeitsfeldes als zweistündiger Workshop

    Themen im Jahr 2023:
    Wichern-Wohnungslosenzentrum, Bilanz des Zentrum „gezeiten“ für Hospiz-, Palliativ- und Trauerbegleitung nach fünf Jahren, Ev. Jugendhilfezentrum Johannes Falk als großer Träger der ambulanten Jugendhilfe

    … und 2024? Das könntest du schon mitbestimmen! Was liegt an?

    Ansprechpartner

    Termine:
    5-6x im Jahr um 19 Uhr für ca. 2,5 Stunden in Präsenz, gelegentlich auch digital

    Themen im Jahr 2023:
    Neufassung der Finanzsatzung des Kirchenkreises und damit verbunden Überlegungen zu den Finanzflüssen im Kirchenkreis und den Gemeinden auch mit dem Fokus auf Veränderung und der Erschließung von Einnahmen unabhängig von den Kirchensteuereinnahmen, Haushaltsplanungen für den Kirchenkreis, Projekte zur Einnahmeerzielung

    ... und 2024? Das könntest du schon mitbestimmen! Was liegt an?

    Ansprechpartner

    Termine: 4x im Jahr abends um 19 Uhr für ca. 2,5 Stunden

    Themen im Jahr 2023:
    Kirchenasyl, Haus der Religionen, die neue EKD-Studie „Zwischen Nächstenliebe und Abgrenzung“, landeskirchliche Visitation des Kirchenkreises

    ... und 2024? Das könntest du schon mitbestimmen! Was liegt an?

    Ansprechpartner

    Termine: 4x im Jahr um 18 Uhr für ca. 2 Stunden

    Themen im Jahr 2023:
    gendersensible Sprache, All Gender-Toiletten, Pronomen in Signatur von Mails, Umgang mit Übernachtungen auf z. B. Jugendfahrten

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    Ansprechpartner

    Termine: 4x im Jahr um ca. 17 Uhr für ca. 90 Minuten

    Themen im Jahr 2023:
    kirchenmusikalische Stellen im Kirchenkreis, coronabedingte Veränderungen im Bereich Gottesdienst und Kirchenmusik, Arbeit am neuen Gesangbuch

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    Ansprechpartner

    Termine: 4x im Jahr um 19 Uhr für ca. 2,5 Stunden

    Themen im Jahr 2023:
    Partizipation junger Menschen im Sinne des „Jugendbeteiligungserprobungsgesetztes“ (JBEG), Jugendfreizeiten, Berichte aus den Jugendabteilungen der Gemeinden

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    Ansprechpartner

    Termine:
    4-6x im Jahr um 19 Uhr für ca. 2 Stunden, in Präsenz oder digital

    Themen im Jahr 2023:
    Kooperation der Dortmunder Stadtkirchenarbeit, inhaltliche und reflexive Diskussion zur Programmgestaltung, Logoentwicklung und Website-Relaunch, Sanierung der Kirche

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    Ansprechpartnerin

    Termine:
    5 bis 6x im Jahr hybrid um 18 Uhr für ca. 2 Stunden an wechselnden Wochentagen,
    1x im Jahr Klausurtag auf einem Samstag

    Themen im Jahr 2023:
    Partnerschaften fair und solidarisch weiterentwickeln, Internationales Volunteershouse in Dortmund als Ort inter- und transkulturellen Lebens und Lernens, ökumenische Partnerschaften in Dortmund

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    Termine: 3x im Jahr um 16.30 Uhr für ca. 2 Stunden

    Themen im Jahr 2023: Zukunft des Religionsunterrichts und der Schulseelsorge, Projekte zum interreligiösen Lernen, Inklusion und barrierefreies Lernen

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