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06.03.2020

Respekt und Wertschätzung

Diskussionsabend zu religiöser Erziehung

Warum ist religiöse Erziehung wichtig und wie kann sie in einer zunehmend säkularen und pluralen Gesellschaft gelingen? Darüber diskutierten Anfang März muslimische und christliche Eltern in der evangelischen Paul-Gerhardt-Kita in Dortmund.

Als Referentin hatten die Veranstalter – Kita, Paul-Gerhadt-Kirchengemeinde und das Ev. Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe – die Islam- und Religionswissenschaftlerin Saida Aderras eingeladen, die selbst Mutter von drei Kindern ist. Sie begann ihren Vortrag mit einer Anekdote: Auf dem Adventsbasar einer evangelischen Kita, die ihre Töchter besuchten, sei sie von einer anderen Mutter angesprochen worden: „Sie hat mich gefragt, warum ich hier sei, sie hätte extra eine deutsch-christliche Kita ausgesucht.“

Aus dieser Begegnung entwickelte sich ein längeres Gespräch und für Saida Aderras ein neues Betätigungsfeld. Neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin für islamischen Religionsunterricht arbeitet sie in der interreligiösen Begegnung in Kitas und Schulen. Gemeinsam mit Pfarrerin Beate Brauckhoff schrieb sie das Buch „Aufeinander zugehen – gemeinsam Schätze teilen“ und bildet Pädagoginnen und Pädagogen für die interreligiöse Arbeit fort. „Interreligiöse Kompetenz entsteht durch Begegnung, durch Dialog und einen guten Umgang mit Differenzen. Nur so können Vorurteile abgebaut und Unterschiede als wertvoll empfunden werden“, sagte sie.

Kinder nehmen Unterschiede wahr, aber sie werten nicht. Diese Aussage bekräftige Renate Lasarzik, Erzieherin in der Paul-Gerhardt-Kita. Unter dem Leitsatz „Du bist gut, so wie du bist“ stellt religiöse Bildung einen wesentlichen Baustein in der Arbeit der Kita dar. „Wir bringen den Kindern bei, wie wichtig Respekt und Wertschätzung anderen gegenüber sind“, erzählte sie. Ob beim Gebet im Morgenkreis oder vor dem Essen oder den Monatsabschlussandachten, Religion ist ein selbstverständlicher Teil des Alltags in der Kita. Dabei gilt: „Jeder darf beten, wie er will. Mit gefalteten oder offenen Händen oder auch gar nicht.“

Ayse Can und Carolin Moussa, deren Kinder die Paul-Gerhardt-Kita besuchen, sprachen aus ihrer Perspektive über den Umgang mit (inter-)religiösen Themen. „Ich habe die Einrichtung als Bereicherung erlebt und habe hier ausschließlich positive Erfahrungen gemacht“, erzählte Ayse Can. Ihr ist wichtig, dass ihre Töchter den Islam von klein auf kennenlernen. Carolin Moussa betonte den konstruktiven Wert von religiöser Erziehung. Die christlichen Feste, die auch in der Kita begangen werden, strukturieren das Jahr und Rituale an Weihnachten, Ostern und anderen Festtagen geben Halt und machen frei, erklärte sie.

Auch die überwiegend weiblichen Besucherinnen hatten Gelegenheit, Fragen zu stellen und ihre Sichtweisen einzubringen. Am Ende waren sich alle einig: Ob Muslime oder Christen, sie alle verbindet der Glaube an etwas, das unabhängig ist von individuellen Befindlichkeiten. Religiöse Bildung und interreligiöse Kompetenz förderten das friedliche Miteinander in unserer Gesellschaft.

Foto: Stephan Schütze
Die Islam- und Religionswissenschaftlerin Saida Aderras (3.v.l.) referierte in der Paul-Gerhardt-Kita über religiöse Erziehung. Foto: Stephan Schütze