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03.05.2021

Zum Abschluss: ‚Adieu‘

Pfarrerin Carola Theilig hielt den letzten Gottesdienst in der Lydia-Gemeinde

Die Blumen wurden sorgsam verwahrt, auch davon konnte sich die Online-Gemeinde am Bildschirm überzeugen. Der Küster zog sie sofort nach Ende des Gottesdienstes aus der Altarvase, da lief die Kamera des Live-Streams noch. Unmittelbar davor hatte Pfarrerin Carola Theilig ihren letzten Gottesdienst in der Dortmunder Lydia-Gemeinde zu Ende geführt.

Nach 30 Jahren in der Gemeinde, ehemals Luther/Frieden – heute Lydia, ging die Pfarrerin in den Ruhestand. Der Gottesdienst zum Sonntag ‚Cantate‘ war ihr letzter im Lutherzentrum an der Flurstraße.

Leider könne sie sich zunächst nur per Video-Stream verabschieden, sagte Carola Theilig, nachdem der Segen erteilt und das Klavier-Nachspiel verklungen war. Noch nie habe sie so viele Taschentücher während eines Gottesdienstes durchgeweint, bekannte die Pfarrerin. So sehr habe sie ihr letztes Auftreten am Sonntagmorgen in ihrer Gemeinde bewegt.

Sie hoffe, dass sie viele Menschen in der Dortmunder Nordstadt persönlich treffen könne, wenn sie am 19. September offiziell in der Lydia-Gemeinde verabschiedet werde, sagte Theilig. In der Hoffnung, dann ohne größere Pandemiebeschränkungen feiern zu können, war der Termin auf den Spätsommer verschoben worden. Erst einmal ging die Pfarrerin mit einem kurzen ‚Adieu‘ aus dem Bild.

Bei ihrem letzten Sonntagsgottesdienst standen das Loben und das Singen im Mittelpunkt. Musikalisch begleitet und unterstützt wurde Carola Theilig dabei von Tobias Schneider am Klavier sowie Regine Tews und Jürgen Kleinschmidt (Gesang). Singen sei sicherlich nicht das erste, was einem in Krisenzeiten wie der aktuellen Corona-Pandemie einfalle, sagte Carola Theilig in ihrer Predigt. Aber es könne helfen. Sie beneide die Jünger Jesu, die noch beim Einzug in Jerusalem bedingungslos haben jubeln können. „Gott loben und singen angesichts der Ungerechtigkeit in der Welt – ist das nicht naiv?“

Ihre Fürbitte richtete die Pfarrerin denn auch an Gott „für alle, denen das Lob im Halse stecken bleibt.“ Und doch, so Theilig, habe das Lob Gottes, das am besten im Gesang funktioniere, einen Sinn. Denn wenn man Gott lobe, ändere sich auch in der Krise die eigene grundsätzliche Haltung. Auf diese Weise könne es gelingen, in allem Verdruss die positiven Aspekte in der Welt und im eigenen Leben wahrzunehmen. Das habe auch der Lieddichter Paul Gerhardt gezeigt. Er verlor zu Lebzeiten seine Frau und vier seiner fünf Kinder und habe dennoch Loblieder geschrieben, die noch heute gesungen werden – Protestlieder gegen die Mutlosigkeit.

Mutlos will auch Carola Theilig nicht in die Zeit gehen, die vor ihr liegt. Sie freue sich auf ihren Ruhestand, so die Pfarrerin, auch wenn sie ihren letzten Gottesdienst mit Wehmut gefeiert habe.

Foto: Stephan Schütze
Pfarrerin Carola Theilig hielt ihren letzten Gottesdienst nach 30 Jahren in der Dortmunder Nordstadt.
Foto: Stephan Schütze