10.09.2020

Diskussion zur Wahl in der Pauluskirche

Evangelische Kirche stellte Kandidierenden fürs OB-Amt auf den Prüfstand

Es war die letzte Podiumsdiskussion vor der Kommunalwahl in Dortmund. Nur vier Tage vor dem Wahltermin am 13. September lud der Ausschuss für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund zu einer Diskussionsrunde mit der Kandidatin und den Kandidaten ein, die sich um das Amt der Oberbürgermeisterin/des Oberbürgermeisters in der Stadt bewerben.

Mit dabei in der Pauluskirche waren die drei aussichtsreichsten Anwärter*innen Dr. Andreas Hollstein (CDU), Daniela Schneckenburger (Bündnis 90/Die Grünen) und Thomas Westphal (SPD). Moderiert wurde die Fragerunde von zwei ehrenamtlichen Mitgliedern des Ausschusses Sabine Fleiter und Oliver Volmerich.

Diskutiert werden sollten Themen, die gleichsam aus Sicht der Stadtgesellschaft wie der Kirche von Bedeutung sind. So standen Themenbereiche wie Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, und Antirassismus zur Debatte. Wer einen harten politischen Schlagabtausch erwartet hatte, wurde in weiten Teilen des Abends eines Besseren belehrt. Denn in vielen grundsätzlichen Fragen, so zeigte sich, stimmten die drei Kandidierenden weitgehend überein.

Gegen Rechtsextremismus

So hatten sie beispielsweise schon zu Beginn des Wahlkampfs miteinander vereinbart, grundsätzlich nicht an Podiumsveranstaltungen teilzunehmen, an denen Vertreter*innen der AFD beteiligt sind. In ihrer Einschätzung von rechtsextremen oder rechtspopulistischen Bestrebungen zeigten sich alle drei deckungsgleich.

Den Begriff "Rechtspopulismus" empfinde er als verniedlichend, sagte SPD-Kandidat Thomas Westphal. Er halte die Agierenden von rechts für "Demagogen und Menschenfeinde."

Entgegenwirken, so Daniela Schneckenburger von Bündnis 90/Die Grünen, könne man nur, indem man die Zivilgesellschaft stärke und am sozialen Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft arbeite. Das bekräftigte auch CDU-Kandidat Dr. Andreas Hollstein. Er sei künftig sicher auch bei einer Demonstration der "Christen gegen Rechtsextremismus" dabei.

Mobilität und Nachhaltigkeit

Einen großen Stellenwert in der Pauluskirche nahm das Themenfeld "Mobilität und Nachhaltigkeit" ein. Andreas Hollstein plädierte für einen Ausbau von Park & Ride-Parkplätzen. Es müsse gelingen, die Menschen zu einem Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr zu motivieren.

"Global denken, lokal handeln" sei gefragt, wenn es um nachhaltige Politik gehe, postulierte Daniela Schneckenburger. Die Grünen-Politikerin fragte, warum man in Dortmund mit den Zielsetzungen zum Verkehrs-Umstieg so kleinmütig sei. In Paris etwa setze man sich viel weitgehendere Ziele: der Verkehr solle hier in der Zukunft je zu einem Viertel zu Fuß, mit dem Rad, mit dem ÖPNV und mit dem Auto vonstattengehen.

Thomas Westphal forderte ein breiteres Verständnis von Nachhaltigkeit ein. Es reiche nicht aus, den Begriff auf den ökologischen Aspekt zu beschränken. Westphal plädierte dafür, sich an der Nachhaltigkeitsbeschreibung des Club of Rome zu orientieren. Der setze auf den Ausgleich von ökologischen, ökonomischen, und sozialen Komponenten.

Zukunft des Flughafens

Bei der Publikumsfrage nach der Zukunft des Dortmunder Flughafens traten deutlichere Differenzen zwischen den Podiumsgästen zutage. Während Westphal für eine Weiterentwicklung des Airports zu einem westfälisch leistungsfähigen Flughafen sprach, stellte Schneckenburger das Geschäftsmodell des Dortmunder Flughafens als Ausgangspunkt für Geschäftsreisen grundsätzlich in Frage. Auch CDU-Mann Hollstein legte sich fest: "Den Ausbau wollen wir nicht." Man müsse sich auch an ökonomischen EU-Vorgaben orientieren, die der Dortmunder Flughafen nicht erfülle.

Soziale Stadt

Zum Thema "Soziale Stadt" setzen alle Kandidierenden auf Bildung und eine Verbesserung der Arbeitsmarktchancen, insbesondere für weniger Qualifizierte und Alleinerziehende. Daniela Schneckenburger sprach sich für eine bessere Finanzierung von Kindergartenplätzen aus und forderte den "gebundenen Ganztag" für Schulen, der Kinder verbindlich Unterstützung bieten könne.

Thomas Westphal kündigte an, im Falle eines Wahlsieges eine "Kinderteilhabe-Kommission" einzurichten, die er als Oberbürgermeister selber leiten wolle. Andreas Hollstein will vor allem Energie für die soziale Entwicklung in der Nordstadt aufbringe. Zur Chefsache machen möchte er das Thema Wohnungslosigkeit.

  • Wer die Diskussion nachträglich verfolgen möchte, kann das auf YouTube tun.

Das Video zur Diskussion der OB-Kandidatin und der -Kandidadten

Foto: Ausschnitt/Video: Sport Live e.V.
Zur Kommunalwahl am 13. September gab es mit Kandidierenden fürs OB-Amt eine Diskussionsveranstaltung zu den Themen Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Antirassismus.
Foto: Ausschnitt/Video: Sport Live e.V.