26.09.2018

Geschlechtergerechtigkeit im Fokus

Rechtspopulistische und religiös begründete Angriffe auf Geschlechtergleichstellung

Weiter am Thema dranbleiben – das will ein ganzes Netzwerk von Dortmunder Frauenverbänden und weiteren Organisationen. Das Thema, um das es geht, sind die rechtspopulistischen Angriffe auf die Gleichstellung der Geschlechter. Bereits zum dritten Mal hatten deshalb die Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Frauenverbände, das Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund, das Evangelisch Bildungswerk Dortmund und der DGB Dortmund Hellweg eingeladen, um ein deutliches Signal zu zeigen gegen Antifeminismus und konservative Rollenzuweisungen. Denn die Entwicklungen seien besorgniserregend, so Maresa Feldmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dortmund.

Weil auch religiöse Gruppierungen die Errungenschaften von Gleichstellung und Selbstbestimmung infrage stellen, lag der Fokus der aktuellen Veranstaltung auf der Frage, wie Rechtspopulisten die christlichen Werte in ihrem Sinn umdeuten. „Kritisch müssen wir sein“, so Mitveranstalterin und Stadtkirchenpfarrerin Christel Schürmann, „wenn die Religion vorgeschoben wird, um Rollenbilder zu untermauern, von denen ich vor einigen Jahren noch dachte, wir hätten sie lange hinter uns gelassen.“ Schürmann erinnerte an den „Modellcharakter“ der urchristlichen Gemeinden, in denen auch Frauen Leitungsfunktionen innehatten. Gleichzeitig beklagte sie den „langen und unrühmlichen Lernprozess auch meiner Kirche“. Damit umriss sie bereits die in der christlichen Überlieferung und Tradition angelegte Ambivalenz gegenüber der Geschlechterordnung

Die Referentin des Abends, Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins, stimmte dem zu. Es gebe im Christentum von Anfang an eine Grundspannung zwischen der Gleichwertigkeit der Geschlechter oder einer hierarchischen Abstufung. Prof. Heimbach-Steins ist Direktorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören u.a. Menschenrechtsethik, Geschlechtergerechtigkeit und Grundlagen christlicher Sozialethik. Aus dem religiösen Erbe könne man, so Heimbach-Steins, sowohl einen emanzipatorischen als auch eine antiemanzipatorischen Traditionszusammenhang nachweisen. „Sie können die ganze Christengeschichte durchgehen“, erläuterte sie dem Publikum, „Sie werden immer wieder Varianten dieser Auseinandersetzung finden.“ Und, so ergänzte sie, weil diese Geschichte in der Regel von Männern geschrieben wurde, sei die emanzipatorische Tendenz zu kurz gekommen.

Rechtspopulisten würden bei den Themen Gender und Familienpolitik Anknüpfungen bzw. Umdeutungen der christlichen Tradition versuchen. Dabei gebe es im Bereich der Familienpolitik „tiefe Bruchlinien“ zwischen rechten und christlichen Anschauungen, beim Thema „Gender“ jedoch eine „breite Schnittstelle gerade im Bereich der katholischen Kirche“.

Im Kern wollten die rechtspopulistischen Auffassungen eine Abwehr des Fremden, das als feindlich angesehen werde und eine Abschottung der Gesellschaft nach außen hin. „Es geht letztlich um die Frage: Haben wir Grund, auf eine gemeinsame menschliche Geschichte zu vertrauen?“ Das christliche Verständnis, so Prof. Heimbach-Steins, erlaube es, „eine solche Hoffnung zu haben“.

 

 

Die Referentin Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins (4.v.l.zusammen mit den Veranstalterinnen. Foto: Kirchenkreis