Eine junge Delegation aus dem Kirchenkreis Dortmund reiste in den Süden Afrikas, um sich mit Gleichaltrigen aus Namibia und Sambia über globale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung auszutauschen. Die trilaterale Begegnung fand vom 13. bis zum 26. August in Namibia statt und wurde vom Evangelischen Kirchenkreis Dortmund organisiert, der seit Jahrzehnten Partnerschaften mit den Kirchenkreisen Usakos in Namibia und Choma in Sambia pflegt.
Erstmals trafen sich alle drei Partnerkreise gemeinsam in Namibia. Über 30 junge Menschen kamen zusammen, um sich kennenzulernen und gemeinsam an Zukunftsthemen zu arbeiten. Die Begegnung begann im Tabita Conference Center der Evangelical Lutheran Church in der Republik Namibia (ELCRN) in Windhuk.
Was bedeuten die Nachhaltigkeitsziele der UN?
Die ersten Tage standen im Zeichen des Kennenlernens, Sightseeings und der inhaltlichen Einführung in die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals/SDGs). Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der historischen Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte Namibias und dem Völkermord an den Nama und Herero durch die deutsche Armee im Jahr 1907 – dem ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.
In einem Gedankenexperiment wurde die Berliner Konferenz von 1884/85 hinterfragt: Was wäre gewesen, wenn damals faire Partnerschaften statt kolonialer Ausbeutung beschlossen worden wären? Afrika hätte sich möglicherweise zu einem wohlhabenden Kontinent mit bedeutenden Universitäten und breitem Wohlstand entwickelt. Dass es in Namibia anders kam, ist auch Teil der deutschen Geschichte.
In seiner Begrüßungsrede hieß Bischof Sageus Keib alle Teilnehmenden herzlich willkommen und betonte die Vielfalt der indigenen Stämme, die in der ELCRN eine geistliche Heimat gefunden haben – darunter Ovambo, Damara, Herero, Himba und Nama. Er würdigte die Initiative der Begegnung, die aus der langjährigen Freundschaft mit dem Kirchenkreis Lünen hervorgegangen ist, und das gemeinsame Engagement für Gottes Schöpfung im Sinne der SDGs.
Der zweite Teil der Reise führte in die Küstenstadt Swakopmund im Partnerkirchenkreis Usakos. Swakopmund liegt direkt am Atlantik in der Namib-Wüste und ist touristisch geprägt.
Abend der Nationen
Ein Höhepunkt war der „Abend der Nationen“, bei dem jede Gruppe ein landestypisches Gericht zubereitete und präsentierte. Die Namibianer*innen präsentieren verschiedene Currys mit traditionell zubereitetem Mielie Pap, Maismehl, das unter ständigem Rühren auf kleiner Flamme gegart wird. Die Freund*innen aus Sambia präsentierten den traditionellen Nshima-Brei mit delikaten Soßen und gegrillten Mopane-Würmern, die eine wichtige Proteinquelle darstellen und als Eintopf oder gebraten serviert werden können. Die deutsche Delegation entschied sich für Himmel und Erde, Reibeplätzchen mit Apfelmus und Gurkensalat sowie Apfelkuchen. Nach drei Stunden gemeinsamer Küchenarbeit, war der Abend ein genussvolles Erlebnis und ein voller Erfolg für alle.
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der 130 Meter hohen Düne 7 bei Walvis Bay. Der Aufstieg ohne Hilfsmittel war anstrengend, aber der Ausblick entschädigte für jede Mühe. Das anschließende landestypische Brai (Barbecue) am Fuße der Düne, war für alle ein stimmungsvolles Erlebnis.
Unterschiedliche Perspektiven, aber gemeinsame Forderungen
In den Workshops zu den SDGs – Wasser, Gesundheit, Bildung, Klima und Geschlechtergerechtigkeit – wurden unterschiedliche Perspektiven aus den drei Ländern verglichen und gemeinsame Forderungen formuliert. Fragen wie „Wie lange dauert es, einen Arzttermin zu bekommen?“, „Wie weit ist dein Schulweg?“ oder „Welche Rolle spielen Frauen in der Familie und Gesellschaft? Kann Diversität gelebt werden, und wenn ja, wie?“ führten zu intensiven Diskussionen. Besonders eindrucksvoll war eine spielerische Demonstration und Diskussion zur Geschlechtergerechtigkeit in den Kirchen, die trotz religiöser und kultureller Unterschiede ein starkes Zeichen für die Zukunft setzte.
Die täglichen Andachten, gestaltet von Teilnehmenden aller Nationen, ermöglichten interessante Einblicke in unterschiedliche Gottesbilder und ein gemeinsames Nachdenken über die Bedeutung der Bibel in der heutigen Zeit.
Um die Teilnahme für alle zu ermöglichen und soziale Unterschiede auszugleichen, stellten die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) und der Evangelische Kirchenkreis Dortmund (EKKDO) umfangreiche finanzielle Mittel bereit. Reise, Unterkunft, Verpflegung und Programm wurden weitgehend übernommen. Die Planung, Organisation und Durchführung lagen in den Händen der Evangelischen Jugend Dortmund, des Studio 41 und des Ökumene-Referats des Kirchenkreises.
Die Begegnung stand ganz im Zeichen globaler Gerechtigkeit, nachhaltiger Entwicklung und fairer Partnerschaften – und hat viele neue Freundschaften entstehen lassen. Selbstverständlich hat der Kirchenkreis alle Flugkilometer mit Atmosfair kompensiert.
Die nächste Begegnung ist für den Sommer 2026 in Sambia geplant, bevor alle zum Kirchentag 2027 und zur IGA ins Ruhrgebiet eingeladen werden sollen.
Dirk Loose