Gesellschaftliche Verantwortung

Logo Ev. Kirche in Dortmund, Lünen und Selm
Fußball Turnier der Religionen in Dortmund

Pfarrer siegen überraschend

Achtes Interreligiöses Fußballspiel

Über den 4:2 Sieg gegen die Pfarrer freuten sich die Imame nach dem 8. Fußballspiel der Religionen im Dortmunder Hoeschpark. Foto: Stephan Schütze
Foto Siegerehrung

Ein Zeichen für den Interreligiösen Dialog setzt auch in diesem Jahr wieder das „Fußballturnier der Religionen“. Christen, Juden und Muslime laden am 30. Juni von 14 bis 18 Uhr gemeinsam in den Hoeschpark ein.

„In diesem Jahr freuen wir uns besonders, dass unser Engagement für ein gutes Zusammenleben gleich zweifach gewürdigt worden ist“, sagt Friedrich Stiller, evangelischer Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung und Sprecher des Veranstalterkreises. Der Deutsche Fußballbund hat u. a. das Interreligiöse Turnier mit dem Integrationspreis ausgezeichnet und die Pax-Bank Köln hat das Spiel als besonderes Engagement in der interreligiösen Arbeit honoriert.

„Fußball vereint, Fußball verbindet“, so DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei der Preisverleihung im März. Der Pax-Bank ist es seit vielen Jahren ein Anliegen, den interkulturellen Dialog zwischen Christentum und Islam zu fördern. Die Verleihung des Pax-Bank-Preises wird im Rahmen des Fußballturniers der Religionen stattfinden.

Das Fußballturnier findet zum achten Mal statt. Evangelische Pfarrer und Imame – begleitet von einem jüdischen Schiedsrichter –  kicken um den Wanderpokal „Anstoß zum Dialog“. Vorher gibt es Turniere für Kinder und Herrenmannschaften und – für die Nicht-Fußballer  wichtig – ein attraktives Rahmenprogramm.

Veranstaltet wird das Sommerfest und Fußballturnier von der  Evangelische Kirche, DITIB-Moscheegemeinden und der Jüdischen Gemeinde. Schirmherr ist Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

Im „Sommermärchen 2006“ der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland wurde die Idee zum „Fußballspiel der Religionen“ geboren. Damals spielten zum ersten Mal evangelische Pfarrer gegen Imame aus Dortmunder Moscheen.

Endstand: 4:2. Die evangelischen Pfarrer besiegten die Imame beim Fußballspiel der Religionen im Hoeschpark. Dort hieß es zum neunten Mal „Anstoß zum Dialog“. Was 2006 im WM-Fieber begann, hat mittlerweile Tradition. „Im nächsten Jahr wird das 10-Jährige gefeiert“, versprach Friedrich Stiller, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung und Mitbegründer des Turniers nach der Siegerehrung. Nach neun Spielen steht es jetzt 5:4 für die evangelischen Theologen.

So eindeutig wie das 4:2 war der Spielverlauf nicht. Unter der Leitung des jüdischen Schiedsrichters Vadim Tannenbaum erkämpften ihn die Pfarrer gegen die besser agierenden Imame. Die sieben Feldspieler der Imame fanden jedoch keine Mittel, den evangelischen Torhüter Thomas Weber zu überwinden. Einzig beim 2:1-Anschlusstreffer knapp vor der Pause konnten die Imame einen Abwehrfehler der Pfarrer zum unhaltbaren Treffer nutzen. Das 3:2 der Imame war ein Fehler des gerade eingewechselten evangelischen Ersatztorhüters. Der Ball rutschte ihm aus den Händen. Das nutzte ein muslimischer Spieler und schoss ihm den Ball durch die Beine. Die evangelische Nummer 1, zurück im Spiel, rettete den Vorsprung gegen die anstürmenden Imame.

Den 54-jährigen Weber qualifiziere wohl sein Amt als offizieller Olympiapfarrer, mutmaßten die Kommentatoren des Spiels. Der Dortmunder Fußballexperte Gerd Kolbe und Stefan Hoffmann von Radio 91.2 kommentierten für die mehr als 300 Zuschauenden launig die zweimal 25 Minuten des Hauptspiels der Theologen .

Zuvor gab es im Hoeschpark ein Kinder- und Jugendturnier und eines zwischen einer muslimischen, einer jüdischen Mannschaft und dem Team der BVB-Fanabteilung. Deutlicher Sieger mit 6:1 gegen die Fanabteilung und 6:0 gegen die muslimische Mannschaft war die jüdische Mannschaft des Sportclubs Makkabi.

Aktuelle Konflikte führten in diesem Jahr dazu, dass das Turnier nicht so unbeschwert wie sonst war. Anschläge auf Synagogen wie in Wuppertal, aber auch auf Moscheen wie in Bielefeld zeigten, dass ein friedliches und fröhliches Miteinander nicht selbstverständlich ist, erklärten der DITIB-Regionalvorsitzende Hüseyin Sag, der Rabbiner Avichai Apel und Ulf Schlüter, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund.

Deshalb, so formulierte es der Trägerkreis der Religionen „ist unser Fußballturnier der Religionen genau das richtige Zeichen“. Die drei Religionsvertreter verlasen vor dem Spiel auch die Dortmunder Selbstverpflichtung.

Rund um die Spiele gab es wieder ein attraktives Rahmenprogramm. Beim Spiel der Herren am Nachmittag gewann ebenfalls eine muslimische Mannschaft 6:3 gegen eine jüdische. Das Kinderturnier wurde wegen des schlechten Wetters abgesagt. Gegen den Regen sang der Gospelchor „Spirit of Harmony“ der evangelischen Christusgemeinde Dortmund an und die Tanzgruppe „Harimon“ der jüdischen Kultusgemeinde lockte die Besucher unter Schirmen an die Bühne. Zum Schutz verteilte das Lokalradio 91.2 an die Besucher Regenponchos.

Pavillons boten Schutz

Das eigentlich breit gefächerte Rahmenprogramm beschränkte sich bei zunehmendem Regen auf die Angebote unter den Pavillons. So fanden die Besucher Schutz vor dem Nass im Café der Begegnung der evangelischen Paulusgemeinde.

Selbstverpflichtung des Arbeitskreises Religion und Integration

Vor dem Spiel verlasen Superintendent Paul-Gerhard Stamm, Rabbiner Avichai Apel von der Jüdischen Kultusgemeinden Dortmund und Imam Ahmad Aweimer, Vorsitzender des Rates der muslimischen Gemeinden in Dortmund die Selbstverpflichtung des Dortmunder Arbeitskreises Religion und Integration: „Wir wollen einander mit Respekt begegnen. Wir wollen einander besser kennenlernen. Wir wollen den Glauben des anderen respektieren. Wir bitten gemeinsam um Geduld, wenn wir auf dem Weg zueinander nur langsam vorankommen“.