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05.04.2019

Rechtspopulisten und das Christentum

Themenabend in St. Petri

„Das deutsche Volk ist eine Schöpfung Gottes, es hat eine besondere Art durch die Geschichte zu gehen, mit allen Höhen und Tiefen.“ Das Zitat stammt nicht von den „Deutschen Christen“ aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Es ist aktuell. Ausgesprochen hat es Götz Kubitschek, Verleger und Frontmann der neuen Rechten, Stichwortgeber der AfD und dessen rechtsnationalen Flügels. Kubitschek ist Kirchgänger und katholischer Christ. Mit seinem völkisch-christlichen Denken ist er „die wichtigste Ikone der neuen Rechten“, so ein Urteil der „Zeit“.

Rechtspopulisten wildern zunehmend im Christentum, sie nehmen christliche Symbole und Werte in Anspruch und es gelingt ihnen damit, Teile des konservativen christlichen Milieus anzusprechen. Ihr Kreuz hat Haken. Deshalb hatten das Evangelische Bildungswerk Dortmund, das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe, die Stadtkirche St. Petri und die Konrad-Adenauer-Stiftung zu einem Vortrags- und Diskussionsabend eingeladen. „Die Angstprediger – Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern“ lautete der Titel.

Dr. Liane Bednarz, Juristin und Autorin des gleichnamigen Buches machte mit einem kenntnis- und faktenreichen Vortrag das rund 100-köpfige Publikum mit zentralen Thesen des Rechtspopulismus bekannt. Bednarz, die sich selbst als „gläubig, fromm und konservativ“ bezeichnet, war mit einigen Vertretern des Rechtspopulismus bekannt und hatte sich früher selbst in diesen Kreisen bewegt. Sie tritt ein für einen Konservativismus, der sich nach rechtsaußen abgrenzt. Antipluralismus, Antiliberalismus und Ethnopluralismus seien die „drei Säulen“ des Rechtspopulismus, die den Unterschied zum konservativen Denken ausmachen.

Unterwandern die Rechtsextremen tatsächlich die christlichen Kirchen? Bednarz verweist auf den Arbeitskreis „Christen in der AFD“ mit rund 300 Mitgliedern. „Die Gruppe spielt innerparteilich keine Rolle, trägt aber nach außen dazu bei, der AFD einen christlichen Anstrich zu geben.“ Deutlich wird Superintendentin Heike Proske. Sie empfiehlt, das Gespräch und die Auseinandersetzung zu suchen. Und macht klar: „Ein rechtspopulistischer Pfarrer ist mir hier in Dortmund nicht untergekommen.“ Christen seien nicht neutral. „Wir sind menschenfreundlich eingestellt. Unsere Botschaft ist keine ausgrenzende, wir alle sind Kinder Gottes.“

Foto: Stephan Schütze
Um das Weltbild christlicher Rechtspopulisten ging es in der Stadtkirche St. Petri. Den Abend bestritten Dr. Liane Bednarz (3.v.r.) und Superintendentin Heike Proske (2.v.r.). Foto: Stephan Schütze