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30.01.2020

Der Freitag für die Schöpfung

Klimakrise als Thema im Islamseminar

Stolz ist sie auf die jungen Leute, „die jede Woche auf die Straße gehen und sich für das Klima einsetzen“. Verena Tigges, von der diese Stellungnahme stammt, hat eine Doppelqualifikation als Agrarwissenschaftlerin und evangelische Theologin. Gemeinsam mit Pfarrer Friedrich Stiller, Umweltbeauftragter des Evangelischen Kirchenkreises, Imam Ahmad Aweimer und Mediziner Dr. Assem Aweimer hat sie den Abend des Dortmunder Islamseminars zu den „Fridays for Future“ bestritten.

Sind diese Freitage, an denen (nicht nur) die Schüler und Schülerinnen auf die Straße gehen, Freitage für die Schöpfung? So die Fragestellung des Islamseminars. Und tatsächlich hat zumindest für die Muslime der Freitag eine besondere Bedeutung. „Da wurde nämlich die Welt erschaffen“, so Assem Aweimer. Auch deshalb ist er der Meinung, dass die Bewegung der „Fridays“ eigentlich aus den Religionsgemeinschaften hätte kommen müssen. „Jeder Christ, Muslim oder Jude kann sie nur unterstützen.“

Die theologischen Grundlagen für diese Ansicht erläuterten Pfarrer Stiller und Imam Aweimer. Bebauen und bewahren, das sei, so Stiller, laut den Schöpfungsberichten die Aufgabe des Menschen für die Schöpfung. Allerdings sei über die Jahrhunderte hinweg die Gottesebenbildlichkeit des Menschen und sein Auftrag, die Erde zu beherrschen, falsch verstanden worden. Denn der Mensch soll dies in Verantwortung vor Gott tun; er sei Gärtner, kein Ausbeuter. „Die Erde als Leihgabe Gottes ist eine Sichtweise, die wir in Anbetracht der Ökokrise neu lesen.“ Ähnlich Imam Aweimer: Der Islam begreife die Schöpfung als Ganzes – Erde, Sonnensystem, Universum und Universen. Die heiligen Schriften der Religionen würden Ethikprinzipien enthalten, wie sich die Menschen gegenüber Gott, den Mitmenschen und der Schöpfung verhalten sollen. „Wir haben als Menschen die Aufgabe, die Schöpfung mit ihrer unnachahmlichen Perfektion und Harmonie zu erhalten und zu schützen.“

Für den Erhalt der Schöpfung, für den Klimaschutz, schließe sich allerdings das Zeitfenster, so Stiller. Die Agrarwissenschaftlerin Tigges, die jahrelang in Afrika gearbeitet hatte, konnte dort erleben, wie sehr die Menschen von der Natur abhängig sind. Sie berichtete von außergewöhnlichen Trockenphasen, ausgelöst durch die Klimakrise. „Für die Menschen war das eine Katastrophe, ihre komplette Existenz ist zusammengebrochen.“

Was tun? Stiller und Assem Aweimer berichteten von Schritten, die Kirche bzw. Moscheegemeinden gehen. Eine „grüne“ Moschee beispielsweise, die nachhaltig, energieeffizient und innovativ gebaut wird. In Bochum ist sie in der Planung. Oder auch vom „grünen Hahn“, einem energiesparenden und klimafreundlichen Projekt für Gebäude der evangelischen Kirche. Doch das wird nicht reichen. „Ich finde“, so Tigges, „wir brauchen gesellschaftliche und globale Lösungen.“

Foto: Stephan Schütze
Die Vortragenden Friedrich Stiller, Verena Tigges, Assem Aweimer (v.l.) und Ahmad Aweimer (r.) zusammen mit Sophie Niehaus (3.v.r.) und Ulrike Hoppe.
Foto: Stephan Schütze