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17.07.2019

Rettungswesten auf Kirchtürmen

Solidarität mit Geflüchteten – Protest gegen Abschaffung der Seenotrettung

Weithin sichtbar sind sie: leuchtend orangerote Rettungswesten hängen seit wenigen Tagen an den Kirchtürmen in der Evangelischen Kirchengemeinde Berghofen im Dortmunder Süden und der Pauluskirche im Dortmunder Norden. Gedacht sind sie „als Zeichen unserer Solidarität mit den Geflüchteten und gegen die faktische Abschaffung der Seenotrettung im Mittelmeer“, so die Berghofener Pfarrerin Dr. Sabine Breithaupt-Schlak.

Die beiden Gemeinden unterstützen mit ihrer Aktion die Forderungen der Bewegung „Seebrücke“, einer internationalen zivilgesellschaftlichen Initiative, die sich für sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme von Geflüchteten einsetzt. In den letzten Monaten haben sich verschiedene Kirchengemeinden in ganz Deutschland auf diese Weise mit der „Seebrücke“ solidarisiert.

„Niemand flüchtet ohne Grund. Niemand begibt sich auf die lebensgefährliche Fahrt über das Mittelmeer, der nicht durch die Situation in seinem Heimatland dazu gezwungen wurde, sei es aufgrund von Krieg, Verfolgung, Folgen des Klimawandels oder die Sorge, seine Familie nicht mehr ernähren zu können. Die aktuelle Abschottungspolitik der EU, die Menschen auf der Flucht ertrinken lässt oder sie in das Elend libyscher Flüchtlingslager zurückschickt, ist nicht mit unseren christlichen Werten vereinbar. Menschen ertrinken zu lassen, ist ein Verbrechen“, begründet die Lydia-Gemeinde die Aktion.

Die „Seebrücke“ hatte zuletzt auf dem Kirchentag mit der Aktion „Jeder Mensch hat einen Namen“ auf die über 35.000 Menschen aufmerksam gemacht, die seit 2002 auf der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen sind. Namen und Daten wurden auf große Banner übertragen, die dann an der Reinodikirche befestigt wurden.

An der Aktion hatten sich u.a. die Dortmunder Superintendentin Heike Proske, die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, beteiligt. Auch der Rat der Stadt Dortmund hat sich im Mai 2019 den Forderungen der Seebrücke angeschlossen und Dortmund zum „Sicheren Hafen“ erklärt.

Beide Dortmunder Kirchengemeinden wollen nach den Sommerferien Veranstaltungen zu dem Thema anbieten.