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20.09.2021

Eine neue Zeit

Abschied von Pfarrer Wolfgang Buchholz

Er hat sich erst einmal ein halbes Jahr Auszeit genommen. Das braucht er, um den nötigen Abstand zu bekommen, das künftige Familiendomizil zu renovieren, und dann steht ja auch noch der Umzug an. Wolfgang Buchholz wurde im September nach 37 Jahren im Pfarramt der Kirchengemeinde Wellinghofen in den Ruhestand verabschiedet.

„Alles hat seine Zeit und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ Der Vers aus dem Buch des Predigers Salomo hat für Wolfgang Buchholz schon immer eine besondere Bedeutung gehabt. Jetzt ist für ihn eine neue Zeit angebrochen, auf die er sich erst einmal einlassen muss – ohne dienstliche Verpflichtungen, ohne regelmäßige Predigtdienste, ohne permanenten Austausch in Sitzungen und Besprechungen.

Erster Pfarrer in der Kirchengemeinde Wellinghofen

Wolfgang Buchholz war der erste Pfarrer, den die frisch zusammengefügte Gemeinde Wellinghofen in den 80’er Jahren gewählt hatte. Zuvor war er hier nach dem Studium in Bethel, Tübingen, Marburg und dem Vikariat in Hagen als „Pfarrer im Hilfsdienst” tätig gewesen – so nannte sich der erste Einsatz nach der Vikarszeit damals noch.

In der neuen Wellinghofener Gemeinde gab es für den jungen Pfarrer viel zu tun. Er konnte mit seiner ruhigen Art für Kontinuität sorgen, gleichzeitig nach und nach neue Gottesdienstformate ausprobieren und etablieren. Und auch wenn er außergewöhnlich lange am selben Platz blieb, gab es für Wolfgang Buchholz nie Stillstand. Bis heute reizt ihn die Möglichkeit, Inhalte und Strukturen kreativ und langfristig gestalten zu können. So blieb seine Berufszeit stets eine segensreiche Mischung aus Kontinuität und Wandel.

Teamgeist geschätzt

Nach und nach kamen in der Gemeinde weitere Kolleg*innen hinzu. Den Teamgeist im Pfarrteam schätzt Wolfgang Buchholz sehr. Unter den Teammitgliedern bildeten sich Schwerpunkte heraus, die alle das vorantreiben ließen, was ihnen am besten lag. Für Buchholz waren das beispielsweise Thematische Seminare, Bibelkreise, Kirchenmusik, die jahrelange Partnerschaft mit Leeds, oder das Themenfeld Bau- und Finanzen.

Das führte er auch in seinem vielfältigen Engagement für den Kirchenkreis weiter. Buchholz wurde dort Vorsitzender des Finanzausschusses. Auch hier kam ihm seine ruhige, aber bestimmte Vorgehensweise zugute. Er sei ein friedliebender Mensch, sagt Wolfgang Buchholz über sich, „aber das heißt nicht, dass man nichts will.“ Bei aller Ruhe und Gelassenheit konnte er sich in Gruppen und Gremien auch schon mal echauffieren. „Es hat mich zur Weißglut gebracht, wenn Entscheidungsprozesse einfach verschleppt werden“, bekennt der angehende Ruheständler. Für sich und sein Umfeld postuliert Buchholz ein „Mündiges Christsein”. Darin sieht er keinen Gegensatz zwischen Modernität, Denken und Wissen und zugleich tiefem Glaube.

Buchholz bleibt Vorsitzender der ACK

Ganz zurückziehen aus alten Aufgaben wird sich Wolfgang Buchholz noch nicht. Er bleibt vorerst Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Dortmund. Deren Vorstand gehört er seit 1987 an, inspiriert durch die damalige Wellinghofener Partnerschaft mit dem ostdeutschen Zwickau. Damit bleibt er einem seiner theologischen Grundprinzipien treu. Denn „Ökumene ist kein Hobby“, sagt er. In den unterschiedlichen Konfessionen versammele sich vielmehr der ganze Reichtum des Christentums.

Fit halten Wolfgang Buchholz auch die Musik und der Sport. Als Chorsänger schwärmt er noch immer von seiner Mitwirkung in Bachs Matthäus- und Johannespassion. Und regelmäßigen Spaß hat er beim Fußballtennis. Dafür braucht man keine weiten Laufwege, dafür aber technische Präzision. Den Ball, je nach Situation, hoch oder flach halten, konnte er schon immer.

Blickte bei seiner Verabschiedung auf der Wellinghofener Gemeindewiese auf 37 Jahre voller Kontinuität und Wandel zurück: Pfarrer Wolfgang Buchholz
Foto: Stephan Schütze