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05.11.2018

Wissenschaft trifft auf Unterhaltung

Science Slam in St. Reinoldi

„Quo vadis?“ – wohin gehst du? Unter diesem Titel stand der mittlerweile fünfte Science Slam in der Dortmunder Reinoldikirche, ausgerichtet von der Stadtkirche St. Reinoldi, dem Ev. Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e.V. und der Agentur LUUPS. An diesem Abend gehe es um ein Aufeinandertreffen von Wissenschaft, Kirche und Stadt, so Stadtkirchenpfarrerin Susanne Karmeier in ihrer Begrüßung. Vier Slammer und eine Slammerin präsentierten auf unterhaltsame und verständliche Weise in jeweils zwölf Minuten bisweilen zukunftsweisende Erkenntnisse aus ihrer Forschung.

Die Materialforscherin Anastasia August arbeitet an einem Eisbär-Funktionstextil. Dabei werden schwarze Haut und weißes Fell des Eisbären mit künstlichen Materialien nachgestellt, mit dem Ziel Wärme zu speichern. Moritz Michael sprach über den Mund, „das Schweizer Taschenmesser unter den Organen“. Das Mundwerk diene schließlich der Sprachgebung, der Nahrungs- und Sauerstoffaufnahme und nicht zuletzt auch als Gesundheitszeugnis, so der Zahnmediziner. Mit der Wortneuschöpfung „Nazigami“ betitelte der Literaturwissenschaftler Gerrit Lungershausen seinen Slam. Die Erklärung dafür gab es am Ende seines Vortrags: Aus den Seiten von 188 Nazi-Romanen, die er im Rahmen seiner Doktorarbeit gelesen hat, bastelt er kleine Papierkraniche: Origami aus nationalsozialistischer Kriegslyrik.

Die Lautstärke des Applauses entscheidet bei einem Slam über den Gewinner des Abends. In diesem Fall gab es davon sogar gleich zwei: Johannes Kretzschmar und Constantin Alexander hatten das Publikum in der gut besuchten Reinoldikirche gleichermaßen begeistert. Kretzschmar erzählte in dem Slam von seiner Forschung zur Elektrifizierung kommunaler Nutzfahrzeuge. Seine Vorgehensweise als Informatiker sei bei den Ingenieuren nicht immer auf Gegenliebe gestoßen. Aber auch ohne großes technisches Verständnis habe er eine Funktion entwickelt, mit der man das Verhalten der Batterien in den Fahrzeugen analysieren kann.

Das Forschungsprojekt von Constantin Alexander ist das Ihme-Zentrum in Hannover: Ein Quartier aus Wohnungen, Bürofläche und Geschäftsgebäuden, mehr als dreimal größer gebaut als geplant und „ästhetisch herausfordernd“. Er legte anschaulich dar, was er unternimmt, um aus dem Zentrum einen „Leuchtturm für nachhaltige Stadtentwicklung“ zu machen. Viele Fragen aus dem Publikum zeugten von dem Interesse der Besucher an dem Thema, das sich nach seinem Vortrag auch in lautstarkem Applaus bemerkbar machte.

Am Ende war beim Applausometer, von Moderatorin Talisa Lara in Big-Bang-o-meter umgetauft, zwischen ihm und Johannes Kretzschmar kein Unterschied festzustellen. Sie beide durften sich als Gewinner fühlen und jeweils einen goldenen Boxhandschuh mit nach Hause nehmen.

Foto: Stephan Schütze
Die Slammer und Slammerin zusammen mit den Veranstaltern und der Moderatorin. Foto: Stephan Schütze