Weihnachten woanders

Ruanda: Lautes Fest mit Tanz und Musik

Während des Jahres leben viele Menschen in Ruanda weit entfernt von ihren Familien außerhalb ihrer Dörfer. Deshalb gibt es an Weihnachten gleich mehrere Gründe, um fröhlich miteinander zu feiern.

Eine afrikanische Weihnachtsfeier ist nicht so leise wie eine deutsche“, lacht Pfarrer Valens Karangwa. „In Ruanda ist es auch an Weihnachten warm. In der Regel sind es um die 27 Grad. Da sitzen wir oft auch draußen, feiern und machen Spaß mit anderen Leuten“, erzählt der47Jährige.

Als Kind habe er im Fernsehen gesehen, dass die Menschen in Europa an Weihnachten dicke Kleidung anhaben und gedacht, das müsse man vielleicht während der Festtage so machen. „Aber jetzt verstehe ich, warum ihr hier alle warm angzogen seid“, schmunzelt er und schaut ins Novembergrau.

Der Pfarrer der presbyterianischen Kirche von Ruanda nimmt an einem Süd-Nord Austauschprogramm der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) teil und lebt seit Mai2013 mit seiner Familie als ökumenischer Mitarbeiter in der evangelischen Kirchengemeinde Schüren.

Das eigentliche Weihnachtsfest beginnt in Ruanda mit dem 25. Dezember. An diesen Tagen finden besonders in vielen Kirchen verschiedene Feierlichkeiten, Musik und Tanzveranstaltungen statt. Auch in den Hotels und Restaurants wird fröhlich gefeiert.

„Weihnachten ist ein Familienfest, bei dem alle zusammenkommen. Viele Familienmitglieder leben übers Jahr außerhalb ihres Dorfes. Weihnachten und die Feier von Christi Geburt sind ein guter Grund nach Hause zu kommen und alle wieder zu sehen.“

Eben weil die Familien über das gesamte Land und manchmal auch die Nachbarländer verstreut sind, werden an Weihnachten oft auch noch andere Dinge, wie ein Examen, ein Hochzeitstag oder ein Geburtstag gefeiert. Und so verwundert es nicht, dass an Heiligabend in den Gemeinden getauft wird. Dann sind alle Verwandten zusammen und die Feier wird bei mehreren Anlässen für die Menschen nicht so teuer.

„Auch bei uns wird an Weihnachten viel Geld ausgegeben. Wir erinnern die Menschen daran, dass sie im Januar noch Geld für die Schuluniform und -materialien benötigen. Das sage ich sogar von der Kanzel herunter“, erzählt Valens Karangwa.

Trotzdem sei Weihnachten in Ruanda nicht so auf Kommerz ausgerichtet wie in Deutschland. „Das wirkt wirklich befreiend“, sagt er. Geschenke gibt es, wenn überhaupt, in Form von nützlichen Dingen wie neuen Schuhen, neuer Kleidung oder einem bequemeren Stuhl für den Großvater. „Ansonsten gibt es bei uns nur Süßigkeiten.“

An Heiligabend morgens ist Kindergottesdienst. Die Kinder basteln Krippen. Im Moment aus Bananenblättern oder Ton, denn in Ruanda gilt aus Umweltschutzgründen ein Baumfällverbot. Der Gottesdienst an Heiligabend – der Taufgottesdienst – beginnt gegen 18 Uhr und kann schon mal fünf Stunden dauern.

Am 25. Dezember gibt es einen normalen Familiengottesdienst mit viel Gesang und Tanz. Chöre treten auf und es ist eine bunte fröhliche Geburtstagsfeier für Christus. „Mit Jesus Geburt wird alles neu, das feiern wir. Und es geht uns auch ins Herz. Wir wollen auch neu werden und nehmen uns das vor.“

Die Ruander haben übrigens auch einen Weihnachtsbaum aus Plastik im Zimmer. Dieser wird mit Süßigkeiten geschmückt. Überhaupt spielt Essen eine große Rolle. Jeder versucht, etwas Besonderes auf den Tisch zu bringen: Reis, Kartoffeln, Bier, Bananenschnaps, Säfte, Zucker und Brot. „Schweinefleisch ist eigentlich ein Muss“, sagt der Pfarrer. Es gibt ein großes Fest mit afrikanischen Speisen, lauter Musik und tanzenden Menschen. Eben nicht so leise wie in Deutschland

von Gesine Lübbers

Foto: Gesine Lübbers
Pfarrer Valens Karangwa lebt seit Mai 2013 mit seiner Familie als ökumenischer Mitarbeiter in der evangelischen Kirchengemeinde Schüren. Foto: Gesine Lübbers