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09.11.2022

Von der Suche nach einem stillen Moment

Ewigkeitssonntag: Blick zurück und auf das, was Christ*innen erwarten dürfen

Der November ist nicht gerade der Sunnyboy unter den Monaten. Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag – als wäre die frühe Dunkelheit nicht schon deprimierend genug, beschäftigen sich die Feiertage zum Ende des Kirchenjahres allesamt mit dem Tod. Doch es gibt auch Hoffnung – das lässt der „Zweitname“ des Totensonntags schon erahnen. Für Pfarrerin Heike Proske, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund, ist völlig klar: Am Sonntag, 20. November, begehen die Protestanten den „Ewigkeitssonntag“.

Im Interview mit Nicole Schneidmüller-Gaiser spricht sie über Leben, Sterben und Hoffen.

Im Küchenkalender an der Wand steht „Totensonntag“ – Warum ist Ihnen die Bezeichnung „Ewigkeitssonntag“ lieber?

Das Wort spricht doch für sich: Bei Totensonntag blicken wir zurück auf die, die gestorben sind. Bei Ewigkeitssonntag richten wir unseren Blick in die Zukunft, eine Zukunft, die wir nicht kennen, aber zu der alle gehören: die Toten und die Lebenden; eine Zukunft, von der wir etwas erwarten können.

Im November werden wir sehr geballt an Sterben und Tod erinnert – Warum ist es wichtig, das eigene Ende nicht einfach auszublenden?

Eine anstrengende Frage, denn die Frage nach dem, wie es mir selbst geht im Tod und im Sterben, klopft an mein Innerstes an. Ich beschäftige mich nicht mit etwas, das weit weg ist oder mich nicht betrifft, sondern ich bin gefragt: Wie stelle ich mir meinen Abschied aus dem Leben vor? Will ich etwas dazu anderen mitteilen, festlegen? Mit wem spreche ich darüber? Wie wird das aufgenommen? Will ich eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht?

Aber mit dem Tod ist noch nicht Schluss …?

Nach dem Tod kommt, wie sollte es für mich als Theologin anders sein, die Auferstehung. Die Zusage haben wir von Gott. Bei ihm geborgen zu sein – auch nach meinem eigenen Tod. Ich empfinde diesen Gedanken hilfreich auch beim Tod von anderen Menschen. Bei ‚Auferstehung‘ erhält auch ‚Ewigkeit‘ noch einmal einen besonderen Klang/Wert.

Der Ewigkeitssonntag ist ein so genannter „Stiller Feiertag“, an dem keine öffentlichen Veranstaltungen stattfinden. Sogar der Weihnachtsmarkt setzt einen Tag aus. Ist das zeitgemäß?

Auf jeden Fall. Zum einen gibt es, zum Glück, immer noch das Sonntagsgebot, welches an jedem Sonntag gilt: Ein Tag, den wir mit anderen gemeinsam verbringen können, zum Lobe Gottes ursprünglich, mittlerweile meist zur Gemeinschaft in Familie oder mit Freund:innen. Ein stiller Tag hilft uns aber auch, genau das zu bedenken, was uns im Leben und im Tod wichtig ist. Wann sonst haben wir eine derartige Gelegenheit? In der Hektik dieser Zeit suchen wir oft nach einem Stillen Tag/Moment. Warum sollten wir den in Frage stellen?

Mal ganz persönlich: Wie begehen Sie den Ewigkeitssonntag?

Mit Gottesdiensten. Meist bin ich an einer Stelle selbst aktiv als Pfarrerin. Vormittags oder nachmittags. Den anderen Gottesdienst nutze ich zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema, mit mir und mit Gott. Der Abend gehört ganz der Familie. Das Thema spielt dann oft eine Rolle in den Gesprächsinhalten.

Zentraler Totensonntags-Gottesdienst auf dem Hauptfriedhof

„Der Verstorbenen ehrend gedenken“

„Der Verstorbenen ehrend gedenken,
die Gegenwart wachsam gestalten,
die Zukunft hoffnungsvoll vorbereiten“

Im evangelischen Glauben werden am Totensonntag der Tod und die Hoffnung auf ein ewiges Leben zelebriert, weshalb der Tag auch Ewigkeitssonntag genannt wird. Der Evangelische Kirchenkreis Dortmund feiert in diesem Jahr am Sonntag, 20. November, um 15 Uhr einen zentralen Gottesdienst auf dem Hauptfriedhof in der Großen Halle, Am Gottesacker 25.

Die Predigt hält Pfarrer Ingo Maxeiner, die musikalische Gestaltung übernimmt die Schola der Evangelischen St. Mariengemeinde mit Andreas Mross an der Orgel und unter der Leitung von Gisela Schneider.

  • Sonntag, 20. November, um
    15 Uhr auf dem
    Hauptfriedhof in der Großen Halle,
    Am Gottesacker 25
  • Weitere Gottesdienste am Ewigkeitssonntag
Foto: Lotte Ostermann
Superintendentin Heike Proske
Foto: Lotte Ostermann