12.10.2018

Vom Krieg zum Frieden

Eugen Drewermann in der Pauluskirche

Einen „ganz besonderen Abend“ versprach Pfarrer Friedrich Laker dem Publikum, das in die Pauluskirche gekommen war. Auf Einladung von Pauluskirche und Kultur sowie der Gemeingüter-Initiative sprach der Paderborner Theologe und Psychoanalytiker Eugen Drewermann über den Zusammenhang von Krieg und Kapitalismus, über die kapitalistische Logik und ihre lebenszerstörenden Konsequenzen.

Mit einer frei gehaltenen, eineinhalbstündigen Rede zog der radikale Pazifist Drewermann die Zuhörenden in der gut gefüllten Kirche an der Schützenstraße in seinen Bann. Rede man vom Krieg, so müsse man auch von seinen Ursachen sprechen, nämlich von unserem Wirtschaftssystem, dem Kapitalismus, so Drewermann. Zu dessen Strukturbedingungen würden Machtausdehnung, Raub und Plünderung gehören. In großen Teilen ähnelte Drewemanns Vortrag einer dichten, doch gut verständlichen Ökonomievorlesung. Das Kapital brauche zur Vermehrung seiner Rendite sowohl Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft als auch kriegerischen Zugang zu Rohstoffen. Die Konsequenz: Ausplünderung von Mensch und Natur. „Der Kapitalismus kann ohne Krieg nicht sein.“ Drewermann forderte seine Zuhörer auf, der Politik nicht zu glauben, wenn sie behaupte, Krieg müsse aus Verantwortung geführt werden  oder „um ein neues Auschwitz zu verhindern.“ In Wirklichkeit gehe es um Landnahme, Macht und Rohstoffe. Er erinnerte an den Ausspruch des milliardenschweren Warren Buffet, einer der reichsten Männer der Welt: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ Und Drewermann erinnerte auch an das Wort von Jesus: „Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“

1989 habe man eine große Chance vertan, so Drewermann. Mit der Auflösung des Warschauer Vertrags und den Angeboten Gorbatschows hätte man ein demilitarisiertes, friedliches und vereinigtes Europa haben können. Jetzt müsse man verhindern, dass die Bundeswehr als Berufsarmee „in der Mitte der Gesellschaft“ ankomme. Soldat zu sein sei eben kein Beruf wie jeder andere. Beinahe Mitleid spricht aus Drewermann, wenn er von Soldaten als Menschen redet, „die man auf Bezahlung zum Töten abrichtet“. Das sei eine „ungeheure Umformung des Menschen durch seine Aushöhlung und vollkommene Zerstörung seiner Empathie“. Drewermann appelliert an jeden seiner Zuhörer, an dessen Gewissen und Mut, an seine Widerständigkeit gegen Kriegsvorbereitung und Krieg. Denn Frieden sei die einzige Zukunft, die wir haben, Krieg hingegen „die blutverschmierte Vergangenheit, die wir hinter uns lassen sollen.“

Die Musikgruppe Cantico unter Leitung von Georg Borgschulte hat die Veranstaltung musikalisch umrahmt.

 

 

Foto: Stephan Schütze
Georg Borgschulte, Eugen Drewermann und Pfarrer Friedrich Laker. Fotos: Stephan Schütze