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07.04.2021

Unterwegs im Computer-Bus

Das Spendenparlament ‚spendobel‘ lud ein zur virtuellen Projektrundfahrt

Seit 20 Jahren gibt es ‚spendobel‘, das Dortmunder Spendenparlament. Ins Leben gerufen wurde es einst von der Evangelische Kirche in Dortmund, hier, im Kirchenkreis, wird auch nach wie vor die Geschäftsführung zur Verfügung gestellt. Einmal im Jahr lädt Spendobel gemeinhin Mitglieder und Spender*innen zu einer Projektrundfahrt ein. Dann fährt einen Abend lang ein Bus durch Dortmund und besucht aktuelle Projekte, die vom Spendenparlament unterstützt werden. Sie haben die Gelegenheit, interessierten Teilnehmer*innen ihre Arbeit detaillierter vorzustellen und Eindrücke vor Ort zu vermitteln.

So sollte es auch in diesem Jahr sein. Aber aus Gründen des Pandemie-Schutzes war eine gemeinsame Fahrt mit dem Bus nicht möglich. Daher ging die Projektrundfahrt virtuell vonstatten. Aus dem Bus wurde eine Computerverbindung und mehr als 30 Frauen und Männer fuhren mit. Spendobel-Präsident Roland Bracht empfing die Gäste mittels Zoom und navigierte den virtuellen Bus zu drei unterschiedlichen Projekten.

Erste Station war das Projekt ‚Step by Step‘, ein Integrationsprojekt des Sportvereins VfL Hörde. In einem kurzen Film-Trailer stellten Mitglieder des Vereins sich und ihre Arbeit kurz vor. Auch ein betroffener Jugendlicher, der über die Ableistung von Sozialstunden zum Verein gekommen war, erläuterte, wie positiv er im Vereinsleben angenommen wurde und wie sehr er sich mittlerweile selbst als Teil des Vereins fühlt. Projektleiter Lukas Lakoma legte anschließend dar, wie sich der Verein im städtischen Brennpunkt Clarenberg für die Integration von benachteiligten Menschen einsetzt. „Wer in anderen Vereinen nicht ankommt, kommt zu uns“, berichtete Lakoma. Mit viel Engagement gelinge es in den meisten Fällen, auch Menschen mit problematischem Hintergrund gut ins Vereinsleben zu integrieren. Zum Projekt gehörten Beistand beim Umgang mit behördlichen Stellen, Unterstützung bei Rechtsberatung oder Anti-Aggressionstherapie und letztlich die Hilfe beim Einstieg in ein geregeltes Berufsleben, so Lakoma.

Vom Sport in Hörde ging es virtuell weiter zum Sozialdienst katholischer Frauen. Der betreibt in Dortmund eine Online-Suizidberatung für Kinder und junge Leute unter 25 Jahren. Projektleiterin Christin Triebkorn beschrieb die Vorgehensweise der Arbeit. Das Projekt ‚U25 Dortmund‘ setzt auf Peer-Beratung. Speziell geschulte junge Frauen und Männer fungieren als Ansprechpartner*innen für Hilfesuchende, die mit dem Gedanken ringen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Austausch und Beratung erfolgen über E-Mail. Das gewährleistet den Betroffenen die Möglichkeit, sich aus der weitgehenden Anonymität in ihrer Verzweiflung an die Helfer*innen zu wenden. Die Peer-Berater*innen betreuen jeweils bis zu drei Anfragende ehrenamtlich, oft auch über einen längeren Zeitraum. Dabei werden sie von einer hauptamtlichen Mitarbeiterin der Projektstelle unterstützt. Wesentlicher Teil der Arbeit ist die Kommunikation über Social Media. Darüber erhalten Jugendliche Erst-Informationen zur Möglichkeit der Online-Hilfe.

Das letzte Projekt, das die Online-Rundfahrt virtuell besuchte, war die ‚Suchthilfe auf zwei Rädern‘ der Diakonie Dortmund. Im Mittelpunkt steht hier die aufsuchende Hilfe für Betroffene ohne festen Wohnsitz. Sie, so Projektleiter Frank Schlaak, fänden in den seltensten Fällen aus eigener Kraft den Weg zu einer Beratungsstelle oder einem anderen Hilfsangebot. Die ambulante Suchthilfe der Diakonie ist bemüht, Menschen dort zu erreichen, wo sie sind, etwa an einem der oft genutzten Aufenthaltsorte in der Dortmunder Innenstadt. Hierfür möchte das Projekt zwei Pedelecs und die entsprechende mobile Ausstattung anschaffen, um im Dortmunder Stadtverkehr schnell zu den Klient*innen kommen zu können und mehr Zeit für die Hilfe zur Verfügung zu haben.

Alle drei vorgestellten Projekte beeindruckten die Gäste der virtuellen Spendobel-Projektrundfahrt. Präsident Roland Bracht verabschiedete sie am Computer-Bildschirm mit der Hoffnung, bei der Fahrt im nächsten Jahr wieder gemeinsam im Bus unterwegs zu sein.

Foto: spendobel
Eine Station der virtuellen Rundfahrt was das Projekt ‚Online-Suizidberatung U25 Dortmund‘. Hier helfen Peer-Berater*innen nahezu gleichaltrigen Hilfesuchenden, die sich in vermeintlich aussichtsloser Lebenslage per E-Mail an sie wenden.
Foto: spendobel