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15.04.2013 // Jahresthema 2013

Toleranz ist Zukunftsfrage

Mit Menschen, die nach Dortmund kommen Nächstenliebe, Solidarität und Toleranz üben für eine gemeinsame Heimat und Zukunft ist eine Zukunftsfrage für OB Ullrich Sierau.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau predigt zum Jahresthema Toleranz

Mit Menschen, die nach Dortmund kommen Nächstenliebe, Solidarität und Toleranz üben für eine gemeinsame Heimat und Zukunft ist eine Zukunftsfrage für OB Ullrich Sierau. Diese formulierte er Mitte April in seiner Predigt zum Jahresthema Toleranz der evangelischen Kirche in der St. Reinoldi-Kirche.

Sierau predigte zu „Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, weil ihr auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen seid“, 2. Mose, Kapitel 23,9. Schutz, Gastfreundschaft und Neugierde sind für ihn Bedingungen für eine tolerante Gesellschaft.

Als Dortmunder Beispiel dafür erinnerte der Oberbürgermeister an die Ausstellung „Kopfgeschichten“. Sie zeigte Plastiken mit denen Schülerinnen und Schüler, die beim Evangelischen Erwachsenenbildungswerk ihren Schulabschluss nachholen, portraitiert wurden. Sie machen neugierig, zeigen Jugendliche, die es bisher nicht einfach hatten, Schicksale, die Wunden und Narben hinterlassen haben, aber nicht zu Resignation führten. „Wir bieten Ihnen Schutz Gastfreundschaft, Bildung und Nahrung. Aufgrund unserer christlichen und humanen Werte haben wir sie empfangen, und jetzt bereichern sie unser Leben“, erklärte er.

Sich auf das Fremde einlassen, es offen und ohne Vorurteile zu betrachten, ist für Sierau eine weitere Bedingung für Toleranz. Das habe er, als er 1976 als Student nach Dortmund kam, bei der Wohnungssuche selbst erfahren. Dort wo er mit einem Freund unterkam, gab es eine offene Nachbarschaft. „Diese Offenheit war zunächst mit Skepsis verbunden“, erinnerte er sich, „aber als die überwunden war, gab es ein großartiges nachbarschaftliches Verhältnis“. Damals habe er gelernt: „Toleranz ist westfälisch“.

Diese Toleranz findet der OB heute in der Stadt wieder. Bei aller Diskussion um den Standort der Flüchtlingsunterkunft in Hacheney, sei es nie um die Frage gegangen nehmen wir die Menschen auf oder nicht. Beim Thema „Integration“ leisteten Kirchen, Gewerkschaften, Verbände, Vereine und einzelne Parteien wichtige Arbeit.

Schutz, Gastfreundschaft, Neugierde und Offenheit sind für Sierau auch die Maßstäbe, um die Toleranz von der desinteressierten Duldung zu unterscheiden. „Um jemanden wirklich zu tolerieren muss ich mich mit ihm, seinen Werten, Wünschen und Träumen auseinandergesetzt haben“. Erst dann sei der nächsten Schritt zur Akzeptanz möglich“.

Die Akzeptanz öffne die Sicht auf Gemeinsamkeiten. So unterschiedlich Kulturen, Religionen oder Lebensentwürfe seien, so viel haben sie im Kern oft gemeinsam. Deshalb sei es möglich, sich zusammen weiterzuentwickeln. „Das kann jedoch nicht ohne moralische Leitplanken gelingen“, weiß der OB. Unsere Gesellschaft beruht auf christlichen und humanistischen Werten und auf Lehren aus der Bibel. „Diese Werte und Gebote sind Grundlage unseres Grundgesetzes und der UN Charta für Menschenrechte – und sie sind nicht verhandelbar“, mahnte er.

Der Gottesdienst wurde gestaltet von Superintendent Paul-Gerhardt Stamm, Reinoldi-Kantor Klaus Eldert Müller an der Orgel und dem Bläserkreis an St. Reinoldi unter der Leitung von Sigrid Raschke; Lesung: Berti Oltmans-Hoer.

Die Ausstellung "Kopfgeschichten" ist für Oberbürgermeister Ullrich Sierau (r.) und Superintendent Paul-Gerhardt Stamm ein gutes Beispiel für Toleranz in Dortmund. Foto: Stephan Schütze