Streiten für den Frieden und die Demokratie

Gottesdienst zur Friedensdekade 2017

Es war eine sehr kleine Runde, gerade einmal eine Handvoll Besucherinnen und Besucher, die sich am letzten Donnerstag im November in der Kapelle des Katholischen Forums zum Friedensgottesdienst anlässlich der Friedensdekade 2017 zusammengefunden hatte.

Dazu eingeladen hatten das Katholische Forum in Kooperation mit Pax Christi Paderborn, Pfarrer Friedrich Stiller, Referat für gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund, und andere mehr. Die Friedensdekade findet seit den 1980er Jahren immer zehn Tage vor Buß- und Bettag statt.

„Streit“ lautete das Thema in diesem Jahr und schaut man sich das Plakat zur diesjährigen Friedendekade an ‒ eine recht ungehalten dreinblickende Taube, die Schwanzfedern aufgestellt, in der rechten „Hand“ einen Olivenzweig ‒ bekommt der Betrachter einen Eindruck von der Energie, die das Motto entwickeln kann und soll. Karin Stump vom Katholischen Forum sagte zur Begrüßung: „Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht Missstimmung oder Streit herrscht.“ Als Beispiel nannte sie die aktuellen Schwierigkeiten, sich in der Politik zu einigen. Umso wichtiger sei es für den Frieden und für unsere Demokratie zu streiten. Allerdings: immer konstruktiv und immer ohne Gewalt.

Pfarrer Stiller las eine Passage aus dem Lukasevangelium, Kapitel 8: „Von den wahren Verwandten Jesu“. Es ist die Stelle, an der Maria und mit ihr die Brüder Jesu ihn sehen wollen. Aber Jesus wehrt sie ab mit den Worten: „Meine Mutter und meine Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln.“

In ihrer Ansprache an die anwesenden „Friedensfreunde und -freundinnen“ schloss Karin Stump aus diesen Bibelworten, dass Jesus mit seiner Familie Streit zu suchen scheine: „Schroff grenzt er sich ab“, lautete ihre Interpretation. Die andere Seite sei, dass er gleichzeitig nicht ausgrenze, sondern „viel mehr Menschen in seine Familie einschließt“. So könne eine neue Gemeinschaft entstehen.

Mit Blick auf die Gegenwart stellte Stump fest, dass die Welt weit davon entfernt sei, eine Menschheitsfamilie zu sein. Und sie fragte, was das wohl für eine Familie wäre, „in der die einen sich ihre Tafel immer reichlicher decken lassen und die anderen dauerhaft am Katzentisch verbannt sind? In der ein Mitglied der Familie stundenlang seinen Zierrasen sprengt und einem anderen den Weg zum Trinkwasser versperrt? Was für eine Familie ist das, in der Waffen produziert, verkauft und gegen Zivilisten eingesetzt werden?“

Ihre Aufforderung an die Anwesenden: „Grenzen wir uns ab von Aufrüstung, Rüstungsexporten und riskanten Auslandseinsätzen.“ Karin Stump ist sich sicher, dass man sich mit diesem Ansinnen keine Freunde macht. Dennoch: „Streiten wir für den Frieden als Weg und Ziel zu einer Menschheitsfamilie.“

Foto: Stephan Schütze
Wichtiger denn je: Streiten für Frieden und Demokratie! Pfarrer Friedrich Stiller (2.v.l.) und Karin Stump (4.v.l.) forderten dazu auf. Foto: Stephan Schütze