23.11.2018

Rechtsextremismus im smarten Gewand

Vortrag zur "Identitären Bewegung"

Sie sind jung, hip und intellektuell, sie sprechen von „unserem“ Europa und „unserer“ Zukunft, von Werten und Traditionen und darüber, dass „Identität kostbar ist“. Es sind die „Identitären“, eine Bewegung, die bis vor kurzem noch kaum jemand kannte und mittlerweile ein Begriff geworden ist. Eine Bewegung, die politisch am extrem rechten Rand steht. Sie kommt zwar „jugendlich-stylisch daher, nicht altbacken und verstaubt, doch ihr Inhalt ist das, was die Rechtsextremen seit Jahrzehnten verbreiten.“ So urteilt Tim Ackermann, Soziologe und Referent beim DGB-Bildungswerk NRW. Auf Einladung der Christen gegen Rechtsextremismus und des Dortmunder Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus hat er einem interessierten Publikum Einblicke in Praxis und Ideologie der „Identitären Bewegung“ gegeben.

Entstanden in Frankreich, ist die Bewegung zunächst nach Österreich und von dort aus nach Deutschlang „hinübergeschwappt“, so Ackermann. Von einer „Bewegung“ will er in Deutschland allerdings nicht reden, denn laut Verfassungsschutz hätten die Identitären hier lediglich 500 Mitglieder. Ihr Ziel sei, so die Identitären über sich selbst, eine Nation mit einer ethnisch homogenen Kultur;  Fremde würden als gefährlich und zersetzend gelten. „Das ist nichts anderes als die Konzeption eines Rassestaates, es klingt nur freundlicher“, wertet Ackermann. Statt von „Rasse und Blut“ wird nun von „Kultur“ gesprochen. In Frage gestellt würden so die universelle Gültigkeit der Menschenrechte und die Gleichwertigkeit aller Menschen. Auch ihr Slogan „Heimat, Freiheit, Tradion“ sei nichts anderes als eine „smarte Übersetzung von ´Ausländer raus`“.

Kern ihrer Ideologie sei völkisch-nationalistisch und habe den gleichen Ursprung wie der Nationalsozialismus. Ihre führenden Kader stammen aus extrem rechten Strukturen, waren zuvor bei den Autonomen Nationalisten oder der Jugendorganisation der NPD aktiv. Sie sehen sich als die kommende Elite; entsprechend wenden sie sich hauptsächlich an Gymnasiasten und Studierende. Es gibt Querverbindungen zur AfD und zu den Burschenschaften.

In Deutschland sind die Identitären  seit 2012 aktiv, seit 2014 gibt es einen Dachverband. Trotz ihres modernen Anstrichs seien sie autoritär und hierarchisch strukturiert. „Sie klauen von linken Subkulturen und ihre Aktionsformen ähneln denen von Greenpeace.“ Ihre Aktionen sind deshalb vor allem auf mediale Präsenz, auch und vor allem in den sozialen Medien, ausgelegt. „Das können sie richtig gut“, urteilt Ackermann. Doch auch wenn die mediale Reichweite  ihre politische Bedeutung weit übertreibt, gelänge es ihnen, „die Grenze des Sagbaren zu verschieben.“