17.11.2020

Orangen – von Geflüchteten gepflückt und fair gehandelt

Rund um den Nikolaustag in mehreren Dortmunder Kirchengemeinden erhältlich

Advents- und Winterzeit ist immer auch eine Zeit der Orangen. Schon das Schälen schafft einen angenehmen Duft im Raum. Die süße Frucht schmeckt herrlich und ist gesund, man kann sie in Obstsalate schneiden, zum Punsch hinzufügen oder zu frischem Saft pressen.

Doch viele Orangen, die gemeinhin im Handel erhältlich sind, stammen aus fatalen Produktionsverhältnissen. Große Lebensmittelkonzerne drücken die Preise. Der Preis, den Bauern etwa in Kalabrien/Süditalien pro Kilo Orangen bekommen, liegt oft bei lediglich zwölf Cent. Das entspricht kaum den Produktionskosten und lässt schon gar keine angemessenen Löhne zahlen.

Die Folge: Bauern sehen sich oft vor der Alternative, entweder die Früchte am Baum verfaulen zu lassen oder den Erntehelfern Löhne anzubieten, die weit unter jeder Tarifvorgabe liegen. Viele der Saisonarbeiter sind afrikanische Migranten, die als Geflüchtete nach Italien gekommen sind. Sie arbeiten in der Erntesaison für rund 20 Euro am Tag.

In der kalabrischen Stadt Rosarno hat sich ein Verein gegründet, der für alle Beteiligten Abhilfe schaffen will. Die Kooperative „SOS Rosarno“ hat sich zum Ziel gesetzt, die ausbeuterischen Abhängigkeiten zu umgehen und Bauern wie Saisonarbeitern menschenwürdige Arbeitsbedingungen bei fairen Löhnen zu ermöglichen. Zudem setzt sie bei ihren Früchten auf Öko-Anbau.

SOS Rosarno unterstützt darüber hinaus die Flüchtlingsarbeit der Waldenserkirche, mit der auch die Evangelische Kirche von Westfalen und der Evangelische Kirchenkreis Dortmund partnerschaftlich verbunden sind.

Anfang Dezember werden in ganz Westfalen hochwertige Orangen aus Rosarno zu erhalten sein. Zahlreiche Kirchengemeinden und Gruppen beteiligen sich an der gemeinsamen Aktion, Orangen aus der Kooperative SOS Rosarno nach Westfalen zu holen. Auch in Dortmund sind mehrere Gemeinden dabei. Rund um den Nikolaustag werden die Navel-Orangen aus Rosarno dort zu finden sein. Wie und wann der Verkauf oder die Verteilung jeweils erfolgt, entscheidet jede Gemeinde vor Ort. Auch der Dortmunder Unverpacktladen „Frau Lose“ übernimmt Navel-Orangen aus Rosarno in sein Sortiment.

Die Beteiligung an der Aktion überstieg die Erwartungen der Initiatoren in der „MÖWe“, dem Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der EKvW um ein Vielfaches. Rund 15 Tonnen Orangen werden sich Ende November auf den Weg nach Westfalen machen. Für Dortmund hatte die vorsichtige Planung zunächst bei rund 200 Kilogramm gelegen. Insgesamt vorbestellt wurden hier schließlich 3,5 Tonnen.

Die Einfuhraktion passt als konkrete Unterstützung für Geflüchtete, die in Rosarno die Ernte gewährleisten, zum Engagement des Dortmunder Kirchenkreises. Im Sommer hatte der Kreissynodalvorstand beschlossen, das Aktionsbündnis United4Rescue zu unterstützen. Es war angelehnt an Diskussionen auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund gegründet worden und betreibt ein eigenes Schiff zur Seenotrettung von Geflüchteten im Mittelmeer.

Unterstützung für den Verkauf gesucht

In Dortmund werden für den Vertreib und Verkauf noch Unterstüter*innen gesucht.

Bild: MÖWe/EKvW
Bild: MÖWe/EKvW