28.05.2019

„Maria verbindet Christen und Muslime“

Fastenbrechen beim Interreligiösen Frauenmahl

Bei den Vorbereitungen zum zweiten Interreligiösen Frauenmahl im Gemeindesaal der Evangelischen Miriam-Kirchengemeinde, Bezirk Kirchlinde-Rahm, habe niemand ahnen können, dass das Thema des Abends – „Maria/Maryam“ – so aktuell sein würde. Pfarrerin Anne-Kathrin Koppetsch bezog sich in ihrer Begrüßung auf „Maria 2.0“, eine Aktion „starker Frauen in der katholischen Kirche“.

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr, hatten die Miriam-Kirchengemeinde und Sophia e.V. erneut Frauen zum Austausch und Fastenbrechen eingeladen. Rund 50 Frauen waren der Einladung gefolgt.

Duygu Yalcin, erste Vorsitzende von Sophia e.V., stellte kurz die Arbeit des Vereins vor. Gegründet im November 2012 von Akademikerinnen und Studentinnen, setze sich Sophia e.V. für Integration, Vielfalt und Toleranz ein. „Sophia“ ist eine interkulturelle Plattform von und für Frauen. Maresa Feldmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dortmund, erklärte, dass der Abbau von Vorurteilen und Ängsten zwischen Christen und Muslimen wichtiger denn je sei. Dazu biete das gemeinsame Fastenbrechen im Ramadan Gelegenheit.

Nach einem musikalischen Intermezzo mit Anne-Kathrin Koppetsch (Gesang) und Michaela Mißfeldt am Klavier, hatten die Gäste Zeit zum Gespräch untereinander. Anschließend hielten Pfarrerin Koppetsch und Sevdanur Özcan Vorträge zu Maria in der Bibel und im Koran.

Maria sei eine wichtige Identifikationsfigur im Christenturm, erklärte Anne-Kathrin Koppetsch. Dennoch sei ihre Rolle in den vier Evangelien unterschiedlich stark ausgeprägt. So sei das Lukasevangelium „das Evangelium der Frauen“. Hierin stehe Maria im Zentrum der Geburts- und Kindheitsgeschichte Jesu. Zur Jungfrauengeburt meinte Pfarrerin Koppetsch, dass es sich hierbei um einen Übersetzungsfehler handeln könne. Im Buch des Propheten Jesaja sei von einer „jungen Frau, nicht von einer Jungfrau“ die Rede.

Nach einer weiteren Pause beschrieb Sevdanur Özcan Maria, die im Koran Maryam heißt, aus muslimischer Sicht. „Maria wird als einzige Frau namentlich im Koran genannt.“ Keiner anderen Frau werde darin so viel Aufmerksam zuteil. Marias Geschichte werde sehr detailliert erzählt. Die Sure 19 sei nach ihr benannt. Über alle anderen Frauen werde im Koran nur ihrer Funktion nach berichtet. Als Beispiel nannte Sevdanur Özcan u.a. „die Frau des Pharaos“.

Maria gilt im Koran als Vorbild für weibliche Frömmigkeit und vorbildliche Mutterschaft. Für Muslime stehe die Jungfrauengeburt außer Frage. Sie glauben daran, dass Maria „ohne Mann schwanger wurde“. Im Gegensatz zum christlichen Glauben sei Maria im Islam ledig gewesen. Josef existiere im Koran nicht. Auch habe Jesus keine Geschwister gehabt. Gleichwohl sei Maria eine wichtige „Frau für Muslime und Christen“. Außerdem wolle sie über das Verbindende reden und nicht über das Trennende, so Sevdanur Özcan. „Und das Verbindende ist Maria“, beschloss sie ihren Vortrag.

Nachdem an diesem Abend gegen 21.30 Uhr die Sonne untergegangen war, zelebrierten alle Frauen gemeinsam das Fastenbrechen. Dazu wurde zunächst ein muslimisches Gebet gesprochen und danach als erste feste Nahrung eine Dattel gegessen. Das Buffet, das die Frauen von Sophia vorbereitet hatten, duftete verführerisch. Hunger und Durst konnten jetzt gestillt werden. Es wurde noch ein langer, anregender Abend.

Foto: Stephan Schütze
Christinnen und Musliminnen trafen sich im Fastenmonat Ramadan zum Interreligiösen Frauenmahl. Foto: Stephan Schütze