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11.02.2013 // Jahresthema 2013

Juden und Muslime: „Können die miteinander?“

Lamya Kaddor und Michael Rubinstein zu Gast in der Volkshochschule.

Lamya Kaddor und Michael Rubinstein zu Gast in der Volkshochschule


Lamya Kaddor und Michael Rubinstein, sie eine deutsche Muslima, er ein deutscher Jude, trafen sich Anfang Februar auf Einladung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in der Volkshochschule Dortmund, um die Frage „Juden und Muslime - Eine explosive Mischung, oder?“ zu erörtern.

Trotz des provokanten Titels blieb der ganz große Disput aus. Den Zuhörerinnen und Zuhörern boten sie eine launige, mit kleinen Seitenhieben gespickte Unterhaltung unter Freunden.

Kaddor und Rubinstein spielten sich die (Gesprächs-)Bälle zu und orientierten sich bei der Abfolge der Themen an einem Buch, an dem sie gemeinsam gearbeitet haben und das im Herbst dieses Jahres erscheinen wird. Die Idee dazu hatten sie während einer Veranstaltung in der Schweiz, wo sie sich erstmals trafen.

Rubinstein: „Zu der Zeit war gerade das Sarrazin-Buch (Deutschland schafft sich ab, Anm. der Redaktion) erschienen und wir fanden, dass es an der Zeit ist, einen Gegenentwurf dazu zu entwickeln.“ Zudem sei ihnen aufgefallen, dass im Gegensatz zum christlich-muslimischen und christlich-jüdischen Dialog der jüdisch-muslimische Dialog „schwach auf der Brust“ sei.

Lamya Kaddor stellte sich nach Erscheinen des Sarrazin-Buches zum ersten Mal die Frage, ob sie in diesem Land alt werden wolle. Denn: „Dieses Buch hat die Integrationsbemühungen in Deutschland um Jahre zurückgeworfen.“ Dennoch lautete die Antwort eindeutig: „Ja!“ Eine andere Heimat habe sie nie kennengelernt.

Rubinstein warf die Frage auf, ob Juden und Muslime überhaupt „miteinander können“? „Denn zum einen befinden wir uns in einer Art Stellvertreterkonflikt“. Er und Lamya Kaddor würden immer dazu aufgefordert, zur Politik Israels beziehungsweise der Palästinenser Stellung zu nehmen.

Lamya Kaddor dazu: „Der größte Fehler ist, Religion und Politik mit einander zu vermischen“, war sich Lamya Kaddor sicher. Zudem machte Rubinstein in der deutschen Gesellschaft eine widersprüchliche Wahrnehmung von Juden und Muslimen aus. Es gebe eine Ungleichbehandlung, die ihn störe. „Wenn Juden eine Kippah tragen, ist das in Ordnung, eine Muslima mit Kopftuch stört im deutschen Straßenbild.“

Ein Problem, dass für Kinder nicht existiert, wie Lamya Kaddor zu berichten wusste. Verheiratet mit einem zum Islam konvertierten Christen, meldete sie die gemeinsame Tochter in einem jüdischen Kindergarten an. Bei ihren Eltern habe das zu Irritationen geführt. „Als ich meinen Eltern erzählte, dass meine Tochter in einem jüdischen Kindergarten gehen wird, fragten sie mich, ob ich denn keinen anderen gefunden hätte.“

Jeder andere sei doch besser als ein jüdischer. „Antisemitismus unter Muslimen ist durchaus präsent.“ Ihre Bedenken, dass ihre Tochter durch die Vielzahl der unterschiedlichen religiösen Traditionen überfordert sei, seien unbegründet gewesen.

„Für meine Tochter ist klar, bei der christlichen Oma steht zu Weihnachten ein Tannenbaum, bei Mama und Papa nicht. Und im jüdischen Kindergarten feiert man nicht Karneval, sondern Purim.“

Dass Juden und Muslime allen Unterschieden zum Trotz durchaus miteinander können, dafür war der Abend mit Lamya Kaddor und Michael Rubinstein der beste Beweis.

(K)ein explosives Gemisch: Lamya Kaddor und Michael Rubinstein im Gespräch.
Foto: Stephan Schütze