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25.04.2013 // Fairer Handel

Gier nach Kohle versetzt Berge

Veranstaltung der Werkstatt Ökumene Eine Welt zum Kohleabbau.

Stellen Sie sich vor, die Zugspitze würde gesprengt und der Abraum einfach in die benachbarten Täler verklappt. Oder der Schwarzwald würde in eine Mondlandschaft verwandelt.

Genau das passiert seit Jahren im nordamerikanischen Mittelgebirge der Appalachen. Über die Dimensionen dieses ökologischen Alptraums klärte Paul Corbit Brown in einer Veranstaltung der Werkstatt Ökumene Eine Welt auf.

Brown ist Vertreter der „Keepers oft he Mountains“ aus den USA. Er selbst und seine Familie leben in dieser Region. Weggesprengt werden die Bergspitzen, um an die darunter liegende Kohle zu gelangen. 500 Bergkuppen sind in den letzten Jahren pulverisiert worden, weit mehr als 3.000 Kilometer klarer, sauberer Bergflüsse sind unter Schutt vergraben. Dazu werden wöchentlich mehrere tausend Tonnen hochexplosiven Sprengstoffs eingesetzt. Das ist die Sprengkraft einer Hiroshima-Bombe – jede Woche.

Was hat das mit uns zu tun? Brown deutet auf eine Steckdose im Raum: „Wir können mittlerweile beweisen, dass auch in dem Dortmunder Strom unsere Kohle steckt.“  Denn RWE und STEAG beziehen ihre Kohle zum großen Teil aus den USA, aus Kolumbien und aus Russland. Für den Kohleabbau in den Appalachen ist mittlerweile eine riesige Berg- und Waldfläche vernichtet worden, weit größer als das Sauerland, mit allen Konsequenzen für Menschen, Tiere und Vegetation.

Der durch die Explosionen freigesetzte Staub weht als krebserregende Wolke durch die umliegenden Gemeinden, Flüsse und Grundwasser werden mit giftigen Schwermetallen belastet. Browns Mutter ist an Krebs gestorben, sein Vater an Staublunge. „Dieser Landstrich, der am meisten Kohle produziert, ist gleichzeitig der ärmste in den USA“, erzählt Brown. „Wir sind ein Dritte-Welt-Land.“

Oskar Guariya aus Kolumbien – einem weiteren „Dritte-Welt-Land“ – berichtet in der Veranstaltung über den Kohleabbau in „seinem“ Reservat. Denn Guariya ist Vertreter der Wayúu Indianer.  Die Zuhörenden erfahren von gewaltsamen Vertreibungen der indigenen Einwohner, von der Finanzierung paramilitärischer Schlägertrupps durch die Kohleabbaufirma Drummond, von der Ermordung zweier Mitglieder der Bergarbeiter-Gewerkschaft, ebenfalls von Drummond in Auftrag gegeben.

Für den Gastgeber des Abends findet Gerd Plobner deutliche Worte: „Es ist eine riesige Dimension von Katastrophen mit denen wir verbunden sind über unsere Energieunternehmen.“ Die Stadt Dortmund, die viel Wert auf ihr Siegel „Hauptstadt des fairen Handels“ legt, müsse diesen Maßstab auch  an ihre kommunalen Energieversorger legen, wird in der Diskussion gefordert.

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Vertreter aus Kolumbien und den USA berichteten über die Auswirkungen des Kohleabbaus in ihren Ländern. Foto: Stephan Schütze