Genderarbeit erfährt neuen Gegenwind

Ruth Heß im Salon der Querdenkerinnen

„Aktiv für Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt – Feministische Strategien gegen Rechts“ Hinter diesem etwas sperrigen Titel verbarg sich ein Vortrag der Theologischen Referentin am Evangelischen Zentrum Frauen und Männer gGmbH, Ruth Heß. Dazu eingeladen hatten die Vordenkerinnen des Salons der Querdenkerinnen im Evangelischen Kirchenkreis, Frauen- und Gleichstellungsarbeit.

Der Abend im Kleinen Saal des Reinoldinums begann humorvoll, gleichwohl hatte das gezeigte Video der Künstlerin Carolin Kekebus einen ernsten Hintergrund. Mit der Parodie auf das Lied „Wie schön du bist“, bei ihr lautete der Titel „Wie blöd du bist“, zeigte sie das hässlich-dumme Gesicht des rechten Randes in der Gesellschaft.

„Der neue Gegenwind gegen Geschlechtergerechtigkeit kommt von rechts“, sagte Ruth Heß zu Beginn ihrer Ausführungen. Ziel neokonservativer oder politisch rechts stehender Gruppen sei es, die liberale Geschlechterpolitik als groben Unfug und gefährliche Ideologie zu diffamieren. „Sie wollen ein stereotypes Bild vom Mann- und Frausein und von Familie festschreiben und andere Lebendsentwürfe wieder zurückdrängen.

Diese politischen Ziele verbergen sie hinter einer irreführenden Kritik am Begriff Gender“, erläuterte die Referentin. Zu deren Terminus gehörten auch Begriffe wie „Genderismus“, „alberner Genderwahn“ oder „gefährliche Gender-Ideologie“. Selbst Papst Franziskus spricht von einem „Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören“ und rede so den Anti-Gender-Kräften in Politik und Gesellschaft das Wort.

Das Phänomen des Anti-Gender sei kein neues, führte Heß weiter aus. Bereits auf der UN-Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking „opponierte der Vatikan gegen die Beschlussfassung der Konferenz zu Frauenrechten, vornehmlich im Bereich sexueller und reproduktiver Selbstbestimmung“.

Zwei Jahre später, 1997, veröffentlichte die Historikerin Dale O’Leary das Buch „The Gender Agenda“. Darin zeichnet sie ein Bild von „Familienbefürwortern“, welche an der Seite der „ärmeren Länder“ gegen den „UN-Apparat“, USA, EU und „gender-feministische“ Nichtregierungsorganisationen kämpften.

Stimmung gegen Geschlechtergerechtigkeit und Vielfalt machen heutzutage die im ultrakatholischen Milieu beheimatete Autorin Gabriele Kuby. Für Kuby sei Gender-Mainstream eine Ideologie, die die Geschlechteridentität von Mann und Frau und jede ethische Normierung des sexuellen Verhaltens zerstören wolle, zitierte Heß aus Kubys Buch „Die globale sexuelle Revolution“.

FAZ-Autor Volker Zastrow beschwor in seinem 2006 erschienen Artikel, „Gender-Mainstreaming. Politische Geschlechtsumwandlung“, ein Schreckensszenario. Darin heißt es: „Es will nicht weniger, als den neuen Menschen schaffen, und zwar durch Zerstörung der traditionellen Geschlechterrollen.“

Mit den Äußerungen des Autors Akif Pirincci erfuhr der Kampf gegen zeitgemäße Geschlechterpolitik „die Enthemmung nach rechts außen“, meinte Heß. In seinem Buch „Deutschland von Sinnen“ attackiere er „Minderheiten“ jenseits deutschen heterosexuellen Mannes. Zudem bediene er sich der Anti-Gender-Motive seiner Vorgänger und Vorgängerinnen. „Zerstörung des traditionellen und normalen Familienmodells“, „der Erniedrigung und Ausbeutung des (selbstverständlich deutschen) Mannes“, um nur zwei zu nennen. Und im Nachwort des Buches heiße es: „Grüne Deutsche, wenn es soweit ist, werden wir euch nicht bestrafen. … verlasst unser schönes Land … Alles, was ihr unserem Volke eingeredet habt, waren dreckige Lügen.“

Foto: Stephan Schütze
Vor dem Gegenwind aus der rechten Ecke gegen die Geschlechtergerechtigkeit warnte Ruth Hess (3.v.l.) im „Salon der Querdenkerinnen“. Foto: Stephan Schütze