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27.01.2014 // Holocaust-Gedenktag

Erinnern an die Kinder von Westerbork

Mehrfach konnte Wolfgang Polak nicht mehr weiterreden. Ihm stockte die Stimme und die Tränen standen in seinen Augen.

Holocaust-Gedenktag 2014 in der Bürgerhalle des Rathauses

Mehrfach konnte Wolfgang Polak nicht mehr weiterreden. Ihm stockte die Stimme und die Tränen standen in seinen Augen. Polak, Vorstandsmitglied der Jüdischen Kultusgemeinde Dortmund, erzählte beim Holocaust-Gedenktag in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses von seinen Erlebnissen im niederländischen Lager Westerbork.

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurde Westerbork für 102.000 Jüdinnen und Juden zum Durchgangslager nach Ausschwitz. Damals sei er erst sechs Jahre alt gewesen, an viel könne er sich deshalb nicht mehr erinnern, erzählte Polak.

„Aber ich erinnere noch meine liebe Freundin Alice Adler …“ Weiter kam Polak nicht. Doch sein Schweigen ließ Raum für die mehr als 200 Anwesenden, um zu ahnen, was mit Polaks Freundin Alice passiert ist.

Wolfgang Polak ist in Dortmund geboren, nach der Pogromnacht im November 1938 flohen seine Eltern mit ihm zusammen nach Holland. Er überlebte in Westerbork und dann in Amsterdam. Das Kriegsende, die Befreiung, erlebte er, als in Amsterdam zunächst ein US-Jeep und in dessen Gefolge amerikanische Panzer einrückten. „Wir Kinder sind auf die Panzer gesprungen und haben Schokolade bekommen.“

Das Schicksal der Kinder von Westerbork stand bei dem diesjährigen Holocaust-Gedenktag im Vordergrund. Neben den Zeitzeugen Polak und Benjamin Heller, der in verschiedenen Verstecken den Holocaust überlebte, waren auch Mitarbeiter der Gedenkstätte Westerbork ins Rathaus eingeladen.

Es sei wichtig, so Jose Martin von der Gedenkstätte, „dass die Städte, aus denen die Kinder von Westerbork kamen, an sie gedenken.“ Gleicher Meinung war auch Bürgermeisterin Birgit Jörder. „Erinnerungsarbeit ist eine Aufgabe für jeden von uns und wichtig für die Kommune“.

Locker, aber dennoch angemessen haben Schülerinnen und Schüler, die „Botschafter der Erinnerung“, den Abend moderiert. Den musikalischen Beitrag gestaltete der Chor „Singflut“ des Helene-Lange-Gymnasiums unter Leitung von Sabine Föster.

Veranstalter waren u.a.  die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die Evangelische Jugendkirche und das Schulreferat des Evangelischen Kirchenkreises.

Der Holocaust-Gedenktag erinnert  in Deutschland seit 1996 an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945.

Auch Bilder des Dortmunder Künstlers Walter Liggesmeyer wurden im Rahmen des diesjährigen Holocaust-Gedenktages im Rathaus gezeigt.
Foto: Stephan Schütze