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10.11.2022

Eindringliche Erinnerung an Leid und Verfolgung

Berührende Schüler*innen-Texte im ökumenischen Gedenken zur Reichpogromnacht

„Ich will ihnen ein Denkmal geben und einen Namen, auf dass ihr niemals vergessen werdet.“ Jes. 56,5

Sie hatten Väter und Mütter. Söhne oder Töchter. Sie waren Brüder oder Schwestern. Sie hatten Träume, Hoffnungen, Wünsche. Sie hatten ein Leben - und sie hatten Namen.

Am Jahrestag der später als Reichspogromnacht in den Geschichtsbüchern bezeichneten Horrornacht erinnerten Menschen an verschiedenen Orten auch in Dortmund am 9. November an die Geschehnisse vor 84 Jahren. In der Stadtkirche St. Marien kamen Menschen unterschiedlichen Glaubens auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), der Gesellschaft Christlich-Jüdischer Zusammenarbeit, des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums, der Fanabteilung des BvB und der Evangelischen Stadtkirche St. Petri in Dortmund zusammen, um ein ökumenisches Gedenken zu feiern. „Gedenken hat aber auch sehr viel mit unserer Gegenwart zu tun“, betonte die evangelische Pfarrerin Christel Schürmann für die Veranstalterinnen. Allein im vergangenen Jahr habe es 2738 antisemitische Vorfälle in Deutschland gegeben – und die Tendenz ist steigend.

Damals wie heute steht hinter jeder Zahl ein Mensch, ein Schicksal – und darum erinnerten die Schülerinnen und Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums auf sehr eindringliche, berührende Weise an einige von denen, für die sich in der Nacht vom 9. November 1938 alles veränderte. Die Jugendlichen erzählten von erzwungenen Hausverkäufen und Umzügen in so genannte Judenhäuser. Von Verhaftungen und Misshandlungen. Von Deportation. Von Konzentrationslagern und Folter. Vom Konzept „Vernichtung durch Arbeitseinsatz.“ Vom Sterben und – in seltenen Fällen – vom einsamen Weiterleben ohne Familie.

Im Anschluss zog die Gottesdienst-Gemeinschaft schweigend zu den Stolpersteinen der vorgestellten Menschen, die einmal Häuser auf dem Ostenhellweg, in der Kloster- und in der Stiftstraße bewohnt hatten. Dort wurden die Namen ein weiteres Mal verlesen, die Stolpersteine wurden geputzt und nach dem Ablegen von Gedenksteine hielt die Gemeinde – im Beisein von Superintendentin Heike Proske und des neuen Rabbiners der jüdischen Gemeinde, Avigdor Nosikov, wurde innegehalten. Um zu erinnern. Und um aus der Vergangenheit Lehren für die Zukunft zu ziehen. (niki)

Foto: niki
Schülerinnen und Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums hatten sich im Vorfeld mit den Schicksalen einiger Dortmunder Familien beschäftigt, die in der Pogromnacht bedrängt, misshandelt oder verhaftet wurden.
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