Der Irrweg eines Kunstschatzes

Großes Interesse am Schicksal des „Goldenen Wunders“ von Westfalen

Dass der prachtvolle Antwerpener Flügelaltar aus dem Jahr 1521, der die Rückwand des Altarraums in der Dortmunder Stadtkirche St. Petri ziert, im zweiten Weltkrieg nur knapp einer Zerstörung durch Bombenangriffe entgangen war, ist bekannt.

Darüber hatte eine Gruppe geschichtsbegeisterter Ehrenamtlicher schon im Sommer informiert. Die zweite Veranstaltung widmeten die Laienforscher gemeinsam mit der Dortmunder Kunsthistorikerin Prof. Barbara Welzel und ihrem Team den Jahren der Rückkehr.

„Endlich zurück – die Zeit nach 1945“ lautete das Motto des Abends in der St. Petrikirche. Denn der Altar, der heute wieder in all seiner Pracht in St. Petri zu bewundern ist, hatte noch allerhand Schwierigkeiten zu überstehen, bis er an seinen alten Platz in der Dortmunder Innenstadtkirche zurück fand.

Ausgelagert in Möllenbeck bei Rinteln an der Weser wurde das fünf Tonnen schwere Kunstwerk aus Eichenholz im Herbst 1947 zurück nach Dortmund verfrachtet. Auseinandergebaut und in acht Holzkisten verpackt fand der Altar seinen Weg zunächst in die St. Nicolai-Kirche an der Lindemannstraße.

Dort überlegte man, ob man ihn aufbauen sollte, nahm aber Abstand davon, denn auch der dortige Kirchraum wies bauliche Schäden auf, wenn er auch nicht gänzlich – wie St. Petri – zerstört war.

Im Oktober 1949 nahm das Presbyterium der Petri-Nicolai-Gemeinde Verhandlungen mit der Gemeinde Aplerbeck auf, ob das Goldene Wunder in der dortigen Großen Kirche aufgestellt werden könnte. Nach zähem Ringen um Finanzierung und Eigentumsrechte – offenbar herrschte auch im Presbyterium nicht immer Einigkeit über das Vorgehen – fand der kostbare Altar schließlich im Jahr 1950 seine vorläufige Heimat in Aplerbeck.

Dass er 17 Jahre später nach St. Petri zurückkehren sollte, wo er zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus der Kirche des aufgelösten Dortmunder Franziskanerklosters seine angestammten Ort gefunden hatte, wird Inhalt der dritten Vortragsveranstaltung sein.

Foto: Stephan Schütze
Die Irrwege des Petri-Altars nach dem Zweiten Weltkrieg hat ein Team ehrenamtlicher Historiker recherchiert. Foto: Stephan Schütze