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09.10.2013 // Grimmelsiepen

Brücken zu anderen Kulturen

Ohne das Engagement der christlichen Kirchen, ohne den „Runden Tisch Grimmelsiepen“ hätte es den ersten Spatenstich für die Moschee in Hörde wohl nicht gegeben.

Rückblick auf den Moscheebaukonflikt in Hörde

Ohne das Engagement der beiden christlichen Kirchen, ohne den „Runden Tisch Grimmelsiepen“ hätte es vor rund einem Jahr den ersten Spatenstich für die Moschee in Hörde wohl nicht gegeben. Das ist eine Schlussfolgerung, die Dr. Christoph Hohage aus seiner sozialwissenschaftlichen Begleitung des Bauprojektes zieht.

Der Soziologe Hohage hat seit 2008 Befürworter, Unterstützer und Gegner des Moscheeprojektes interviewt, Dokumente analysiert und in den Zusammenhang von Moscheebauprojekten europaweit gestellt. Das Ergebnis seiner Studie stellte er unter dem Titel „Aus Moschee-Konflikten lernen“ am 9. Oktober 2013 im Wellinghofener  Gemeindehaus vor.

Zehn Jahre lang brodelte der Konflikt um den Hörder Moscheebau. Seit Ende der 90er Jahre trug sich die Gemeinde mit dem Gedanken des Baus einer repräsentativen Moschee. Doch erst 2003 begann der Konflikt, als der Moscheeverein die Ausschreibung des Grimmelsiepen Areals gewann. Anwohner gründeten eine Bürgerinitiative gegen den Bau, als Reaktion hierauf wurde der „Runde Tisch Grimmelsiepen“ ins Leben gerufen.

„Hätten sich die Kirchen damals anders positioniert“, so Hohage, „dann hätte der Konflikt eine andere Richtung genommen.“ Vor allem Pfarrer Niels Back auf evangelischer Seite und Marlies Haarmann auf katholischer Seite hätten sich „stark eingebracht und Resourcen mobilisiert“. Zusammen mit der Unterstützung aus der lokalen Politik seien dies wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Konfliktlösung gewesen.

Ahmed Aweimer, Sprecher des Zentralrats der Muslime, lobte auf der Veranstaltung die „Dialoglandschaft“ in Dortmund. Sie sei etwas Außergewöhnliches, auf das man „stolz sein kann“.

Niels Back sah es als einen Fortschritt an, nicht mehr über Muslime oder Migranten zu reden, sondern mit ihnen. Mit dem Moscheebau sei die Aufgabe des Runden Tisches nicht beendet. Nach wie vor gelte es, Brücken zu bauen zu anderen Kulturen und ihren Menschen.

Christoph Hohage ist Mitarbeiter der Fakultät für Erziehungswissenschaft und Soziologie an der TU Dortmund. Seine Studie liegt als Dissertation gedruckt vor und ist bei Springer Fachmedien unter dem Titel „Moschee-Konflikte, Wie überzeugungsbasierte Koalitionen lokale Integrationsprojekte bestimmen“ verlegt. Die Vereinigten Kirchenkreise haben dafür einen Druckkostenzuschuss gewährt.

Dr. Christoph Hohage (rechts) zusammen mit Pfarrer Niels Back. Foto: Stephan Schütze