Nicolaikirche: Konflikt und Kooperation

Nur ein Gedenkstein und die Umrisse des früheren Chorraums erinnern an der Westseite des Stadtgartens noch an die alte St. Nicolaikirche, die hier seit dem 13. Jahrhundert stand. 

Ein Blick von da zum neuen Rathaus erinnert wie lange die Evangelische Kirche gebraucht hat, um in der Demokratie anzukommen. 

Nur ein Gedenkstein und die Umrisse des früheren Chorraums erinnern an der Westseite des Stadtgartens noch an die alte St. Nicolaikirche, die hier seit dem 13. Jahrhundert stand. 1810 wurde sie abgerissen. In der Inschrift auf dem Gedenkstein wird den damaligen französischen Machthabern die Schuld gegeben. 1803 hatte Dortmund die Reichsfreiheit verloren und stand vorübergehend unter napoleonischer Herrschaft. In diese Zeit fiel auch die Säkularisierung der Dortmunder Klöster. Verantwortlich für den Abriss der Nicolai-Kirche war allerdings der schlechte Bauzustand. Auch war die Fusion der recht kleinen Gemeinde mit der Petri-Gemeinde schon beschlossene Sache. 

Bis hierhin sind wir den wechselvollen Beziehungen zwischen Kirche und Staat nachgegangen. Wenn Sie jetzt den Blick zum neuen Rathaus heben, sehen Sie die beeindruckende Glasfront an der Südseite. Dahinter liegt der Ratssaal, Inbegriff der Selbstverwaltung der Bürgerinnen und Bürger. 

Die Kirche hat lange gebraucht, um in der Demokratie anzukommen. Dabei geht es heute längst nicht mehr nur um das Verhältnis von Staat und Kirche. Die Zivilgesellschaft spielt eine eigenständige Rolle. In der demokratischen Bürgergesellschaft werden Meinungen und Positionen nicht mehr verordnet, sondern diskutiert und ausgehandelt. Die Evangelische Kirche will dabei mitwirken. Sie wird zugleich bei ihrer Sache bleiben, wenn sie sich für Gerechtigkeit, Frieden, die Demokratie und die Bewahrung der Schöpfung einsetzt. 

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der noch heute sichtbare Gedenkstein aufgestellt. Die Inschrift lautet an der westlichen Seite beginnend im Uhrzeigersinn:

„An dieser Stätte, die ich bezeichne, stand 759 Jahre ein Altar und Tempel, trotzend den Sürmen der Zeit. Wanderer und Nachkommen, ehret mein Dasein. Erhaltet es künftigen Geschlechtern.

Was 759 Jahre dem Wechsel der Zeiten widerstand und mit Mühe und Opfern erbaut ist, das stürtzte ein Machtspruch des französischen Herrschers im Jahre 1810 nieder.

Um mich her ruhen Zahllose, die einst mit geweihtem Ernste an heiliger Stätte weilten und, in Glauben und Hoffnung gestärkt, dem Rufe des Ewigen folgten.

Entweihte keiner diese geheiligte Erde, die Tausende deckt und verbirgt! Und weilst du, Wanderer, in meiner Nähe, beim Sonnenschein oder Sternenschimmer, dann erblick in meinem Bilde das

Vergängliche und über dir das Ewige, wofür du bestimmt bist.“