Kirche und Politik in Dortmund von der Reformation bis heute

Ein (digitaler) Stadtrundgang

Schön, dass Sie sich für unseren digitalen Stadtrundgang interessieren. Sie werden staunen, was es alles zu entdecken gibt. 

Ausgehend von der altehrwürdigen Stadtkirche St. Reinoldi erleben Sie neun Stationen. Geht es zuerst um die Einführung der Reformation sind die weiteren Themen der Streit der Konfessionen, das Grauen der Hexenverfolgung, aber auch Kirche und soziale Frage oder Christen und Juden. Auch aktuelle Herausforderungen wie der Dialog der Religionen oder Rechtsextremismus kommen zur Sprache. Dabei sorgen die unterschiedlichen Perspektiven des Historikers und des Theologen für Abwechslung. 

An jeder Station zeigt Ihnen ein Stationsfoto, worum es vor Ort geht. 

Unterseiten bieten Ihnen weitere Informationen, Fotos und Dokumente zum Stöbern und Nachlesen.  

Dazu gibt es eine Chronologie und einen Stadtplan, der den realen Laufweg zeigt.

Ob Sie Dortmunder Sind oder nicht - Sie erfahren viel über Reformation, die Kirche und die Politik. 

Los geht’s! 

Ihr 

Friedrich Stiller, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung, und die Projektgruppe Stadtrundgang 

 

Rundgang starten

Stationen

Station 01: St. Reinoldi | Innenraum
Station 02: St. Reinoldi | Friedensglocke
Station 03: St. Marien | Südseite
Station 04: Alter Markt | Am Trissel
Station 05: Platz von Hiroshima
Station 06: Propsteihof
Station 07: Silberstraße | Thier-Galerie
Station 08: Platz der alten Synagoge
Station 09: Stadtgarten | Westeingang

Weitere Informationen

Schön, dass Sie sich für unseren digitalen Stadtrundgang interessieren. Seit 2014 bieten wir ihn als geführte Exkursion in der Dortmunder Innenstadt an. Aus Anlass des 500-jährigen Reformationsjubiläums am 31. Oktober 2017 haben wir ihn sowohl in einer Broschüre zum Alleingehen als auch in dieser Digitalversion veröffentlicht. Autoren und Rundgangsleiter sind ein Projektgruppe des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund.

Wussten Sie zum Beispiel, dass es bereits vor Martin Luthers Thesen von 1517 in Dortmund heftige Kritik am kirchlichen Ablasshandel gab? Oder dass nach der Reformation Dortmunder Katholiken Probleme hatten, ihren Glauben auszuüben? Dass es 1934 in Dortmund die reichsweit erste Bekenntnissynode gegen die Nazi-Willkür gab? Und dass ein preußischer Kronprinz eine der Dortmunder Stadtkirchen, die Marienkirche,  rettete,  und ein französischer Stadtkommandant eine andere, die Nicolaikirche, abreißen ließ?

Wenn Sie jetzt mit dem digitalen Rundgang beginnen, werden Sie staunen, was es alles zu entdecken gibt. Ausgehend von der altehrwürdigen Stadtkirche St. Reinoldi erleben Sie neun Stationen. Jede Station hat ein eigenes Kapitel, an dessen Anfang ein Stationsfoto steht. Es zeigt, worum es vor Ort geht. Dann folgen jeweils zwei Texte. Der erste stammt von dem Historiker. Er beleuchtet die politisch-gesellschaftliche Situation der jeweiligen Epochen. Den Zweite hat der  Theologe verfasst. Er erläutert kirchlich-theologische Zusammenhänge und stellt aktuelle Bezüge her.

Dazu gibt es einen Stadtplan, der die Stationen entlang des realen Laufwegs zeigt. 

Eine Chronologie der historischen Ereignisse gibt Ihnen einen Überblick im Zeitablauf. 

Unterseiten zu jeder Station bieten Ihnen weitere Informationen, Fotos und Dokumente zum Stöbern und Nachlesen.  

Und nun viel Spaß beim digitalen Gang durch Dortmund, der Ihnen – da sind wir ganz sicher – den einen oder anderen völlig neuen Blick bescheren wird.

Ihre Projektgruppe Stadtrundgang: 

Pfarrer Friedrich Stiller (Theologe) und Oliver Volmerich (Historiker) gemeinsam mit Rainer Zunder (redaktionelle Bearbeitung) und Matthias Dudde (historischer Rechercheur) 

Geleitwort des Superintendenten 

Kirche und Politik  -ein wechselvolles Verhältnis 

Es ist ein hartnäckig verbreitetes Missverständnis, dass Kirche und Christen sich nicht um Politik kümmern sollten. Denn die Bibel weist immer wieder darauf hin, dass der Glaube Folgen für das Gemeinwesen haben muss. 

Daraus ergibt sich auch ein wechselvolles Verhältnis von Kirche und Politik seit der Reformation. Dies in einem Stadtrundgang konkret zu machen, ist eine spannende Idee. Den Initiatoren ist zu danken, dass sie diese Idee entwickelt haben und regelmäßig Rundgänge anbieten. Jetzt ist es mit Broschüre und Onlineversion auch möglich geworden, dass sich Interessierte selbst auf den Weg machen. 

Wir wünschen neue Einsichten und weiterführende Impulse. 

Ulf Schlüter, Superintendent des Kirchenkreises Dortmund

Dem Historiker und Journalisten Oliver Volmerich gebührt das Verdienst, im Rahmen der Lutherdekade die Idee für den Stadtrundgang in den kirchlichen Ausschuss für Gesellschaftliche Verantwortung eingebracht zu haben. So entstand die Projektgruppe um Pfarrer Friedrich Stiller, in der von Anfang an auch der Journalist Rainer Zunder und der Historiker Matthias Dudde mitarbeiteten. Seit 2014 werden die Führungen mehrmals im Jahr angeboten. Seit 2016 können sie auch von Gruppen gebucht werden. Zudem wurden für die jährliche Museumsnacht Kurzführungen von 45 Minuten entwickelt. Die Führungen werden in der Regel von dem Tandem Historiker / Theologe (Volmerich und Stiller) durchgeführt; von ihnen stammt auch der größte Teil der Texte dieser Broschüre. Dudde oder Zunder vertreten bei den Führungen, wenn Not am Mann ist. Auch in der Gesamtredaktion der Broschüre haben sie vielfach mitgewirkt, wobei Dudde die Chronologie und Zunder die Darstellung des Rundgangs und die Schlussredaktion eingebracht hat. (FS)

Matthias Dudde, Jg. 1966, freiberuflicher Historiker, zahlreiche Veröffentlichungen u. a. zur städtischen Verwaltungsgeschichte, zur Unternehmensgeschichte sowie zur Kirchen- und Diakoniegeschichte in Dortmund. Presbyter in der Paul-Gerhard-Gemeinde.

Friedrich Stiller, Jg. 1961, Pfarrer des Evangelischen Kirchenkreises Dortmund, seit 1996 Leiter des Referats für Gesellschaftliche Verantwortung, u. a. Geschäftsführer des Synodalausschusses und Sprecher des Arbeitskreises Christen gegen Rechtsextremismus.

Oliver Volmerich, Jg. 1966, Redakteur der Ruhr Nachrichten in Dortmund, Buchautor, Mitglied im Vorstand des Historischen Vereins, zahlreiche Veröffentlichungen zur Stadtgeschichte, zuletzt auch zur Reformation in Dortmund. Mitglied in Synodalausschuss und Kreissynode. 

Rainer Zunder, Jg. 1942, langjähriger Politikredakteur der Westfälischen Rundschau. Buchveröffentlichungen zu Stalinismus und deutscher Teilung. Seit dem Ruhestand ehrenamtlich aktiv in Synodalausschuss und Kreissynode, zudem im Arbeitskreis Christen gegen Rechts. 

13. Jahrhundert: Die nach dem Stadtpatron benannte Reinoldikirche (Vorgängerbau aus dem 10. Jahrhundert) und die Marienkirche werden gebaut. Sie gelten später als Ratskirche und als Gerichtskirche. 

1421-1450: Die Reinoldikirche erhält einen gotischen Chor. Das nördliche Chorgestühl ist für die 18 Ratsherren reserviert, Zeichen auch ihres Anspruchs als Patronatsherren.

Um 1515: Auseinandersetzungen um die Ablassfrage in Dortmund. Martin Luther (1483-1546) veröffentlicht die 95 Thesen in Wittenberg erst 1517. 

1527: Bürger fordern vom Rat, einen evangelischen Prediger einzustellen.

1530: Das Augsburger Bekenntnis (Confessio August- ana), umfassende Darlegung der lutherischen Theologie auf dem Reichstag. 

1543: Das Dortmunder Gymnasium wird eröffnet. Humanistisches Bildungsideal. Erster Rektor Johannes Lambach.

1546-47: Schmalkaldischer Krieg – militärische Auseinandersetzung zwischen dem katholischen Kaiser und den protestantischen Fürsten.

1555: Im Augsburger Religionsfrieden wird anerkannt, dass es zwei Konfessionen gibt. Von den Reichsstädten wie Dortmund wird konfessionelle Toleranz verlangt. 

1557: Der Prediger an St. Marien, Johannes Heitfeld, bezieht Stellung gegen die katholische Messe und praktiziert den Laienkelch. Er wird daraufhin aus der Stadt verbannt. Anhänger der Reformation müssen für mehrere Jahre nach Brackel pilgern. 

1562: Die Reinoldigemeinde bekennt sich als evangelisch und der Rat erlaubt den Laienkelch. 

1570: Ratsedikt, das die endgültige Anerkennung der Reformation bedeutet. Alle Pfarrkirchen werden evangelisch.

1571: In einer schriftlichen Quelle wird das Armenhaus, die „Elende“, erwähnt (heute: An der Hövelstraße 23, Parkhaus der Thier-Galerie).

1581-93: Hexenverfolgungen, vermutlich werden zwanzig Frauen und ein Mann hingerichtet.

1596: Die Juden werden aus der Stadt Dortmund verbannt. Ein Jahr zuvor hatte der Stadtdrucker Arnt Westhoff Luthers Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ nachgedruckt. 

1604: Kaiserliches Edikt ordnet nach der Klage der Dortmunder Katholiken die Rückgabe der Pfarrkirchen, Kapellen und Schulen an. 1628 bekräftigt. Die Stadt widersetzt sich diesen Rechtssprüchen.

1618 - 48: Dreißigjähriger Krieg.

1625: Der Rat ernennt den Gymnasiarchen und Prediger an St. Reinoldi, Christoph Scheibler, zum ersten Superintendenten in Dortmund.

1648: Der Westfälische Frieden beendet den Dreißigjährigen Krieg und legt in der konfessionellen Eigentumsfrage das Jahr 1624 als Normaljahr fest. Alles soll so sein, wie es in dem Jahr war. Damit bleibt Dortmund evangelisch, die Katholiken behalten aber auch ihre Kirchen.

1719: Das Dominikanerkloster bekommt als erste katholische Kirche nach der Reformation Pfarrrechte. 

1803: Die Stadt Dortmund verliert die Reichsfreiheit und wird Teil des Königreichs Preußen. Der preußische König wird das Oberhaupt der Dortmunder evangelischen Kirchengemeinden.

1810: Abriss der Nicolaikirche durch die französischen  Besatzer.

1828: Die St. Marienkirche wird wegen Baufälligkeit geschlossen. Fünf Jahre später begründet ein Gutachten des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel die Wiederherrichtung der Kirche.

19. Jahrhundert: Mit dem Einsetzen der Industrialisierung nach 1840 steigt die Zahl der städtischen Bevölkerung stark an und bringt mit der Sozialen Frage neue Herausforderungen.

1890: Eine erste evangelische Sozialkonferenz beschäftigt sich mit den schlechten Arbeitsbedingungen und den geringen Löhnen in der Stadt.

1900: Am Hiltropwall wird eine Synagoge im neugotischen Stil mit 1300 Plätzen eröffnet. Das Gebäude gilt als „Zierde der Stadt“. 

1904/05: Einzelne Pfarrer unterstützen die Massenstreiks von Bergarbeitern im Ruhrgebiet (z.B. Gottfried Traub).

1910: Entstehen der ökumenischen Bewegung (Weltmissionskonferenz in Edinburgh).

1918: Ende des Ersten Weltkrieges. Deutschland und Preußen werden Republik. Das landesherrliche Kirchenregiment der preußischen Könige endet. Die Leitungen der ev. Kirche (Bischöfe bzw. Generalsuperintendenten) werden von Synoden gewählt. 

1926: Pfarrer Otto Stein weiht die kriegsverherrlichende Heldenkappelle für die im Ersten Weltkrieg getöteten Soldaten an der Reinoldikirche ein. 

1934, 16. März: Westfälische Provinzialsynode in Dortmund. Deutsche Christen rufen die Gestapo. Bekenntnistreue Synodale unter Leitung von Präses Koch bilden Westfälische „Bekenntnissynode“. (Begriff wird hier reichsweit erstmals gebraucht.) Synode verabschiedet das „Dortmunder Bekenntnis“.

1938: Jüdische Gemeinde muss auf Druck der nationalsozialistischen Machthaber die Synagoge verkaufen. Das Gotteshaus wird abgerissen, noch vor der Pogromnacht im November.

1945: Wiedergründung einer jüdischen Gemeinde in Dortmund 

1954: Beginn des christlich-jüdischen Dialogs in Dortmund,  Gründung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

1956: Seit dem Wiederaufbau der Reinoldikirche steht vor der Südseite die Friedensglocke als „Warnung vor jeder Verfälschung, Verweltlichung und Politisierung des Evangeliums“. 

1962-65: Das Zweite Vatikanische Konzil entscheidet sich für verstärkten Dialog mit Anders- oder Nichtgläubigen.

1966: Gründung des ersten Moscheevereins in Dortmund. 

1969: Beginn des christlich-muslimischen Dialogs. 1970 erste Gebetsandacht in der Reinoldikirche „Wir wollen Brüder sein“.

1993: Nach dem Brandanschlag in Solingen Lichterkette in Dortmund. Neue Phase des christlich-muslimischen Dialogs.

2006: Gründung eines christlich-jüdisch-muslimischen Arbeitskreises, heute Dialogkreis der Abrahamsreligionen. Zugleich findet das Fußballturnier der Religionen erstmals statt.

2014: Rat der Stadt Dortmund fasst einen Beschluss zur Rehabilitierung der Opfer der Hexenprozesse.

Impressum und Kontakt

Pfarrer Friedrich Stiller, Leiter Referat für Gesellschaftliche Verantwortung

Evangelischer Kirchenkreis Dortmund
Jägerstraße 5, 44145 Dortmund

Mail: friedrich.stiller(at)ekkdo.de
Tel.: 0231/ 8494-376

Quellen

Stadtarchiv Dortmund, St. Reinoldi Kirchengemeinde, Karl Koch Nachfahren, Landeskirchliches Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen, Bildarchiv von Universitätsbibliothek und Universitätsarchiv Gießen, Evangelische Bibliothek Kirchenkreis Dortmund, Privatbesitz.

Fotos

Stephan Schütze, Markus Meeder, Friedrich Stiller, Christiane Ulmann, Rainer Zunder

 

Gestaltung: Unternehmen Online Dortmund

Stand: Oktober 2017