Evangelische Perspektiven, Ökumenische Akzente

Superintendent Ulf Schlüter sprach beim Katholischen Forum über das Reformationsjubiläum.

„Was gibt es da zu feiern?“ Mit der provokanten Frage begann Superintendent Ulf Schlüter seine Gedanken zum Reformationsjubiläum, die er dem Auditorium beim Katholischen Forum in der Dortmunder Marienkirche nahebrachte. Ob der 31. Oktober 1517 als historisches Datum überhaupt tauge, sei unklar, der „schöne Mythos vom hammerschwingenden Luther“ sehr zweifelhaft.

Schlüters Antwort: „Wir haben Grund, nicht nur historisch zu gedenken, sondern auch aktuell zu feiern.“ Denn das Reformationsjubiläum könne zur Zukunftsorientierung dienen. Eine klare Absage erteilte Schlüter einer Feier des Luther-Kults. Der Protestantismus sei heute souverän genug, auch die Schattenseiten des Reformators, etwa seinen späten Antijudaismus, nicht auszublenden. Vor allem sei die Reformation ein Bewegung über viele Jahrzehnte gewesen. Sie dürfe nicht auf Martin Luther als Person beschränkt bleiben.

Gefeiert werden könne nach wie vor der Beitrag der Reformation zu einem „gebildeten Glauben“; ein Glaube, „der verstehen will und nachfragen darf“, so Schlüter. Dafür habe es den vehementen Einsatz für Bildung gebraucht, Martin Luther sei einer der ersten Verfechter von Bildungsgerechtigkeit und Bildungsteilhabe gewesen.

Luther selbst, so Ulf Schlüter, hätte eine Heroisierung der eigenen Person strikt abgelehnt. Vielmehr sei es in seinem Sinne, das Gedenken an die Reformation als ein Christusfest zu feiern. „Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes“ lautet eine der 95 Thesen.  So verstanden öffneten Luthers Aussagen die Türen für eine ökumenische Begegnung. „Die römisch-katholische Kirche heute ist eben nicht dieselbe wie die, mit der Luther und die anderen Reformatoren im 16. Jahrhundert in einen so tiefen Konflikt gerieten“, sagte Schlüter. „2017 war ein Reformationsjubiläum mit ökumenischer Dimension. Das ist neu und ein Grund zum Feiern.“

Foto: Stephan Schütze
Zu Gast beim Katholischen Forum sprach Superintendent Ulf Schlüter übers Reformationsjahr. Foto: Stephan Schütze